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Familiennachzug : Die doppelte Moral der Flüchtlingspolitik

Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg nach Schweden. Bild: dpa

Die Debatte über den Familiennachzug zeigt die doppelte Moral der Flüchtlingspolitik. Die Befürworter berufen sich auf Nächstenliebe, betreiben aber Schleppersubventionierung.

          Die Erleichterung des Familiennachzugs, die 2015 durchgesetzt wurde, ist ein Paradebeispiel dafür, wie „Pull-Faktoren“ geschaffen werden. Zwar kommen seither auch aus Kriegsgebieten immer mehr Kinder nach Deutschland. Aber die übergroße Zahl wird aus Afrika oder Afghanistan vorgeschickt, um die Familie entweder durch Geldüberweisungen zu ernähren oder gleich ganz nachzuholen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Dennoch am Familiennachzug in der bisherigen Form festzuhalten, gar aus „Nächstenliebe“, wie sie SPD und Grüne für sich reklamieren, ist widersinnig. Rupert Neudeck hat recht, wenn er den Koalitionsstreit darüber als „völlig überflüssig“ bezeichnet. Es gebe nur ganz wenige Möglichkeiten, das zu tun, was alle zu tun vorgeben: die Flüchtlingszahlen reduzieren. „Eine davon ist die Begrenzung des Familiennachzugs für unbegleitete Minderjährige“, sagte Neudeck, der wohl  unverdächtig ist, sich damit an einem „Schäbigkeitswettbewerb“ (R.Stegner) beteiligen zu wollen. Die Schlepperbanden wüssten genau bescheid über die Diskussionen in Deutschland. Es sei außerdem eine Realität, dass Familien Kinder losschickten in der Hoffnung, später nachkommen zu können, sagte er dem MDR.

          Die Befürworter dieser makabren Entwicklungshilfe, die auf dem Rücken von Kindern ausgetragen wird, berufen sich jetzt groteskerweise auf Kinderrechte, wenn sie den Familiennachzug in seiner bestehenden Form erhalten wollen und damit Schleppersubventionierung betreiben. Sie unterstützen damit ein Geschäftsmodell, das auf den Fluchtwegen immer wieder zu Tragödien führt. Die aber legen sie dann der angeblichen Hartherzigkeit ihrer Kritiker zur Last.

          Darüber redet die Koalition im Streit über den Familiennachzug nur am Rande. Wichtiger war am Montag, der SPD eine Brücke zu bauen, weil sie nicht in der Lage war, in den Feinheiten des Asylpakets die Übersicht zu behalten. Bei so viel doppelter Moral ist das ja auch schwierig.

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