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Islam : Keine Angst vor Moschee und Minarett

Moschee und Kirche in Usingen im Taunus Bild: dpa

Die Auseinandersetzung mit einem autoritären Islam muss der freiheitliche Staat als Machtkampf begreifen, auch wenn ihm „kulturelle Diktatur“ vorgeworfen wird.

          Unter dem Eindruck von nationalem Populismus und internationalem Terrorismus polarisiert der „Islam“ die europäischen Gesellschaften wie vor Jahren noch die Debatte über deren „multikulturelle“ Zukunft. Die Utopie einer „neuen“, durch Einwanderung entstehenden, postnationalen Gesellschaft ist zwar längst abgelöst worden vom Realismus darüber, dass diese Gesellschaften, wie auch immer sie morgen aussehen mögen, jeweils eine gemeinsame, auch im weitesten Sinne kulturelle Grundlage brauchen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Der Islam ist dafür aber die Nagelprobe: Lässt sich eine Religion überhaupt integrieren, die bislang, tauchte sie in der europäischen Geschichte auf, nicht als Bestandteil, sondern als Herausforderung, als Bedrohung wahrgenommen wurde und sich auch selbst in radikalen Teilen bis heute so versteht? Der „rechte“ Populismus beantwortet diese Frage auf eine Weise, die der „linke“ Populismus in vielerlei Hinsicht vorgemacht hat: mit apokalyptischen Visionen.

          Da aber nun schon Millionen Muslime hier leben - haben wir eine Wahl? Ist es noch die Frage, ob es gelingen kann? Muss es nicht gelingen? Aber wenn nicht: Wo soll das alles enden?

          Die Antwort ist ganz einfach: Es wird nie enden. Weder endet „der“ Islam in einzelnen Koranversen, die immer wieder gerne zitiert werden (von seinen Anhängern wie von seinen Gegnern), um pauschale und unhistorische Urteile zu treffen. Noch endet die Geschichte religiöser Integration in einem fanatischen Kulturkampf, dessen historisches Vorbild - schon vergessen? - die Auseinandersetzung zwischen den seinerzeit alles andere als "integrierten" christlichen Konfessionen sein könnte.

          Enden könnte allenfalls die Geduld, die Errungenschaften und positiven Lehren vergangener Jahrhunderte hochzuhalten, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Das allerdings wäre fatal. Denn es leistete einem Denken in Notwendigkeiten Vorschub, nicht dem Denken in Möglichkeiten, woraus bekanntlich Politik entsteht.

          Welches aber sind diese Lehren? Die allererste: Es gibt nicht jeweils „die“ Religion, also auch nicht „den“ Islam. Die zweite: Es gibt nicht „den“ Muslim, der in der Türkei ganz anders lebt und denkt als in Saudi-Arabien, in Deutschland anders als in Bosnien. Die dritte Lehre: Der Staat ist der Garant von Recht, Toleranz und Freiheit, nicht das Individuum, nicht die Familie, nicht die Parallelgesellschaft, nicht die Kirche.

          Vor Minarett, Moschee, Muezzin und Schleier muss deshalb niemand Angst haben, solange dieser Staat seine Autorität nicht verliert und keine Scheu hat, sich dem Vorwurf der „kulturellen Diktatur“ auszusetzen. Dazu gehört allerdings, dass er die Auseinandersetzung mit einem autoritären Islam durchaus als Machtkampf zu begreifen hat. Deutlich wurde das jetzt in der Schweiz: Es ist eben nicht egal, ob Schüler ihrer Lehrerin die Hand geben wollen oder nicht - und zwar deshalb nicht, weil der islamische Zentralrat im Versuch, freiheitliche Regeln durchzusetzen, einen „Wertetotalitarismus“ erkennen will.   

          Die wichtigste Lehre aber ist, dass es einen Zustand in der Geschichte nie gegeben hat, sondern immer nur Entwicklung und Veränderung. Die lassen sich beeinflussen, aber nicht vorherbestimmen. Das ist die Stärke der Optimisten, die Schwäche der Pessimisten.

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