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Demenz und Betreuung : Kinder und Alte

Nach der Pflegereform hat sich die Koalition auch eine Betreuungsreform vorgenommen. Schafft sie das? Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) auf dem Flughafen Tegel. Bild: dpa

Die Betreuung der Alten, die schwer krank sind, ist eine stark wachsende Dienstleistung. Mit ihr nehmen auch die Missbrauchsfälle zu. Der Staat wird sich darum kümmern müssen, die Familie kann und will es in vielen Fällen nicht. Wie in der Kinderbetreuung.

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          Es gehört zu den Auffälligkeiten unserer Sozial- und Gesellschaftspolitik, dass über die Kinderbetreuung mit großer Verve öffentlich gestritten wird, über die Betreuung im Alter aber seit Jahren so geräuschlos - und meist vor Gericht - verhandelt wird wie im sprichwörtlichen Getuschel hinter vorgehaltener Hand. Müsste es nicht umgekehrt sein? Müsste nicht die Selbstbestimmung im Alter die Krönung dessen sein, was uns in der Kindheit anerzogen, später als Erwachsene in Familie und Beruf als Ideal individualistischer Lebensführung vermittelt wird?

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Wie für die Kinder setzt sich auch für die Alten, die nicht mehr für sich sorgen können (und immer öfter an Demenz leiden), die Ansicht durch, der Staat biete die ihnen angemessene, wenn auch fremdbestimmte „Infrastruktur“. Lauthals wird sie für die einen reklamiert - da geht es schließlich um die Selbstbestimmung der Eltern. Für die anderen wird sie hingegen peinlich berührt in Anspruch genommen - da erweist sich die Selbstbestimmung allzu oft als Chimäre, zumal dann, wenn es keine Kinder, keine Familie mehr gibt.

          Die Koalition will an diesem Ungleichgewicht etwas ändern und „das Selbstbestimmungsrecht hilfebedürftiger Erwachsener bedarfsgerecht“ stärken, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Dahinter verbirgt sich die Reform einer schon jetzt zum bürokratischen Riesen gewachsenen Dienstleistung.

          Weniger Selbstbestimmung und steigende Kosten

          Nicht nur deshalb ist die Reform schon seit langem nötig. Zuletzt wurden die Rechte der Betreuungsbehörden gestärkt, um zu verhindern, dass die Bestellung amtlicher Betreuer überhand nimmt. An einem „Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht“ der Betroffenen, wie es das Gesetz vermeiden wollte, hat das nicht viel geändert - was in den Justiz- und Verwaltungsalltag übersetzt bedeutet: weiter steigende Kosten.

          Auch das recht knappe Versprechen der Koalition richtet sich gegen die vielen Gründe, warum das Betreuungsrecht noch immer wie ein Recht zur Entmündigung von Gebrechlichen (falsch) interpretiert werden kann, unwillkürlich oder willkürlich. Es richtet sich aber auch gegen eine Betreuung, die wie eine Schlingpflanze um den Betreuten wuchert, bis sie schließlich da angekommen ist, wo nicht mehr Selbstbestimmung und Fürsorge das Maß aller Dinge sind, sondern die Justizkassen - schließlich geht es in vielen Fällen um Vermögen und um „Freiheitsberaubung“. Entsprechend hoch ist mittlerweile die Anfälligkeit des Betreuungsrechts für Missbrauch.

          Jede Reform wird an ihre Grenze stoßen, wenn selbst die beste Vorsorgevollmacht keine Gewähr dafür ist, dass die Verrechtlichung des Alters angesichts alle Beteiligten - den Betreuten, die Betreuer, die Angehörigen, die Richter, Anwälte und Geldgeber - vor eine unlösbare Aufgabe stellen. Auch die jetzt vom Kabinett beschlossene Pflegereform hat, wie alle ihre Vorgänger und Nachfolger, damit zu kämpfen.

          Professionalisierung auf Hochschulniveau

          Unter dem Schlagwort „Professionalisierung“ werden deshalb die organisierten Berufsbetreuer wieder in den Mittelpunkt einer Reform gestellt. Sie fordern nicht nur (und seit Jahren) eine staatlich geregelte Berufsbeschreibung mit Hochschulniveau, sondern auch eine ihrer Aufgabe angemessene Bezahlung. Die ehrenamtliche Betreuung, derzeit noch der Regelfall, würde weiter in den Hintergrund gedrängt.

          Das scheint der einzig vernünftige Weg zu sein, um Konsequenzen daraus zu ziehen, dass die Familie längst nicht mehr der Raum des Urvertrauens sein soll, sein kann, sein will. Deshalb der Lärm über die Kinderbetreuung. Er übertönt das.

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