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Harry und Meghan : Rassismus bei den Royals?

Britische Zeitungen am Tag nach dem Interview. Bild: AFP

Eine familiäre Seifenoper hat sich in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Wenn sich sogar Boris Johnson äußern muss, wurde tatsächlich eine „Atombombe gezündet“.

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          Nun haben also alle, die daran interessiert sind (und viele andere), „Meghans“ Seite der Geschichte gehört. Demnach flohen die Herzogin von Sussex und ihr Mann, Prinz Harry, vor einer Königsfamilie, die ihre eingeheirateten Mitglieder in der Kälte stehenlässt, die deren Rufe nach Hilfe überhört und die Unwahrheiten über sie in die Welt setzt.

          Der Vorwurf, der aber den größten Unglauben, zum Teil auch nacktes Entsetzen hervorgerufen hat, ist der des Rassismus. Das Wort wäre wohl recht am Platz, wenn stimmt, dass „jemand aus der Familie“ in Gesprächen mit Harry Bedenken über die Hautfarbe seines Sohnes geäußert hat.

          Was Meghan dazu motivierte, diese halbanonymisierte Beschuldigung öffentlich zu machen, weiß nur sie selbst. Sie wird kalkuliert haben, welche Folgen sie nicht nur für das familiäre Binnenverhältnis hat, sondern für das Ansehen der Royals in der Welt.

          Die amerikanische Celebrity-Interviewerin, die das skandalträchtige Gespräch an Land gezogen hatte, beeilte sich nach der Ausstrahlung, zumindest den Verdacht auszuräumen, dass ihre Gäste über die Queen oder deren (im Krankenhaus liegenden) Ehemann Philip gesprochen haben; darauf soll Harry gedrungen haben.

          Aber auch so haben die Sussexes, in den Worten eines konservativen Abgeordneten im britischen Parlament, „eine Atombombe gezündet“. Über Nacht hat sich eine familiäre Seifenoper in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Sogar Premierminister Boris Johnson sah sich zu der Erklärung veranlasst, dass es „in der britischen Gesellschaft keinen Platz für Rassismus gibt“ – also auch nicht in den Reihen der Königsfamilie, durfte man mitdenken. Die Labour Party forderte den Buckingham Palace sogar auf, die Vorwürfe gegen die Hausherrenfamilie zu untersuchen.

          Dort wird bisher nur den internen Beschwerden gegen die Herzogin von Sussex nachgegangen, denen zufolge sie in ihrer Zeit im Kensington Palace Mitarbeiter, vor allem Mitarbeiterinnen, gemobbt und erniedrigt haben soll. In den nächsten Tagen wird man sehen, ob die Royals ihrer traditionellen Linie des „never complain, never explain“ (nie klagen, nie erklären) treu bleiben können.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

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