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Harri Holkeri : Mutig

Harri Holkeri (2003) Bild: AFP

Der Balkan hatte schon einige internationale Unterhändler, Friedensvermittler und Missionschefs verschlissen, als Harri Holkeri im Juli 2003 zum neuen Chef der Unmik ernannt wurde, der UN-Verwaltung im Kosovo.

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          Der Balkan hatte schon einige internationale Unterhändler, Friedensvermittler und Missionschefs verschlissen, als Harri Holkeri im Juli 2003 zum neuen Chef der Unmik ernannt wurde, der UN-Verwaltung im Kosovo. Es gehörten Mut und Selbstvertrauen dazu, dem Ruf von Kofi Annan an die Spitze der größten UN-Mission der Welt zu folgen, denn zu Optimismus konnte die Lage im Kosovo schon damals nicht verleiten. Ein Wunschkandidat Annans war Holkeri nicht, erst die Absagen oder die fehlende Durchsetzbarkeit anderer Kandidaten ließen den ehemaligen finnischen Ministerpräsidenten auf den ersten Platz von dessen Kosovo-Wunschliste rücken.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Er stehe wahrscheinlich vor der schwierigsten Aufgabe seines Lebens, sagte Holkeri zu seinem Amtsantritt als Nachfolger des deutschen Diplomaten Michael Steiner, und seine ersten Arbeitstage, überschattet von ethnisch motivierten Morden, bestätigten diese Selbsteinschätzung. Als sich Holkeri im vergangenen Sommer zu einem ersten Kurzbesuch in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina aufhielt, erschossen unbekannte Täter mehrere serbische Kinder, die in einem Fluß am Rande ihres Dorfes gebadet hatten. Man werde alles tun, um die Täter zu finden, versprach Holkeri. Das ist jedoch, wie bei vielen anderen Verbrechen im Kosovo, bis heute nicht gelungen. Ob die Bluttaten dieser Woche, deren Opfer wiederum zumeist Angehörige der serbischen Minderheit im Kosovo waren, jemals aufgeklärt werden, darf daher schon jetzt bezweifelt werden.

          "Dies ist ein schwarzer Tag für das Kosovo", sagte Holkeri über jenen dunklen Mittwoch dieser Woche, an dem dort so viele Menschen gewaltsam umkamen wie seit dem Kriegsjahr 1999 nicht mehr. Inmitten der Gewalt auf dem Amselfeld klang Holkeris Aufforderung, die Leute sollten in ihre Häuser zurückkehren, damit Polizei und Soldaten der internationalen Kosovo-Schutztruppe Kfor ihre Arbeit verrichten könnten, fast wie ein Hilferuf.

          Es ist nicht zu übersehen, daß sich der zum Teil gewaltsame Unmut der Kosovo-Albaner anders als in früheren Jahren immer deutlicher auch gegen die "Internationalen" richtet, die als Polizisten, Diplomaten, Soldaten und Fachleute aller Art zur Demokratisierung und Stabilisierung des Kosovos beitragen sollen. Die Unzufriedenheit spiegelt vor allem die wirtschaftliche Lage - mehr als die Hälfte der Jugendlichen ist arbeitslos - und den Stillstand in der Statusfrage wider. Wie zuvor steht hier der Wunsch der mehr als neunzig Prozent der Provinzbevölkerung stellenden Albaner nach staatlicher Unabhängigkeit der Forderung der Staatengemeinschaft gegenüber, erst wenn im Kosovo demokratischen Standards Gültigkeit verschafft sei, könne über die völkerrechtliche Zukunft des Kosovos entschieden werden. Die widerstreitenden Interessen der beiden um das Kosovo ringenden Völker wird Holkeri nicht auflösen können. Er treibt aber den Dialog zwischen beiden Seiten voran. Erst vor kurzem trafen sich serbische und albanische Fachleute, um über Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei praktischen Fragen zu verhandeln. Das war ein kleiner Schritt nach vorn, dem prompt ein großer Sprung zurück folgte.

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