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Hans Rudolf Wöhrl : Mit charmanter Dynamik

  • -Aktualisiert am

Hans Rudolf Wöhrl Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Verlobung ist perfekt. Doch nur einer der Partner gibt das freudige Ereignis bekannt. Hans Rudolf Wöhrl präsentiert mit einem Dauerstrahlen die Zusammenarbeit seiner Fluggesellschaft DBA mit Germania Express.

          Die Verlobung ist perfekt. Doch nur einer der Partner gibt das freudige Ereignis bekannt. Hans Rudolf Wöhrl präsentiert mit einem Dauerstrahlen die Zusammenarbeit seiner Fluggesellschaft DBA mit Germania Express. Eine Ehe beider Unternehmen soll bald folgen. Alles paßt zusammen: Wöhrl, Sproß des gleichnamigen Nürnberger Textilhauses, hat sich für den Tag der Pressekonferenz für Hemd und Krawatte im hellen DBA-Grün entschieden. Hinrich Bischoff, Eigentümer von Germania Express, überläßt die Bühne seinem Geschäftspartner, beantwortet aber nach der Konferenz um so redseliger Fragen. Leger im Pullover gekleidet, sagt der 58 Jahre alte Unternehmer über sich: "Ich bin Rentner."

          Von einer solchen Selbstbeschreibung ist der ein Jahr jüngere Wöhrl weit entfernt. Er verbreitet stets den Eindruck unaufgeregter Geschäftigkeit und charmanter Dynamik. Die Kooperation mit Gexx treibt ihn zu Lobeshymnen auf Bischoff, der in der Branche als ausgefuchster Geschäftsmann berüchtigt ist, und überschwenglichem Dank an seine Mitarbeiter. Gelegenheiten wie die Pressekonferenz am Freitag nutzt Wöhrl mit Vorliebe, um das Überleben der DBA als kleines Wunder zu preisen. Zugegeben: Die Ausgangslage im Juli 2003, als er die Münchner Fluggesellschaft von British Airways zum Preis von einem Euro übernommen hat, war nicht besonders günstig. Seit ihrer Gründung im Jahr 1992 hatte die DBA den Briten außer Verlusten wenig gebracht. Das Konzept einer Billigfluggesellschaft schlug fehl, und Easy-Jet verzichtete auf eine Option zur Übernahme. Wöhrl hat in kurzer Zeit die Strukturen gestrafft, die Zahl der Mitarbeiter weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen verringert und inzwischen wieder erhöht, mit den Beschäftigten einen vorübergehenden Verzicht auf einen Teil des Gehalts ausgehandelt. Dem Unternehmen gab er das Profil einer Linienfluggesellschaft, die mit günstigen Tarifen die Lufthansa ärgern kann. Wöhrl berichtet immer wieder von der Solidarität seiner Passagiere und anderen Sympathiebekundungen für sein Unternehmen als "Underdog" am deutschen Himmel.

          Erleichtert hat ihm den Neuanfang im Sommer vor zwei Jahren allerdings die mit British Airways ausgehandelte Mitgift von rund 70 Millionen Euro. Davon ist nach Angaben des Unternehmens noch etwa die Hälfte übrig. Stolz ist Wöhrl darauf, daß er schon in diesem Geschäftsjahr, das bis Ende März dauert, nicht nur das geplante ausgeglichene Ergebnis erreicht. "Wir werden mit einem Reingewinn von einer halben Million bis 2 Millionen Euro abschließen", kündigt der Einzelhandelskaufmann und ausgebildete Privat- und Berufspilot an.

          Dennoch ist Wöhrl, der zunächst Geschäftsführer der DBA gewesen ist und sich seit April 2004 als Aufsichtsratschef etwas aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, auf der Suche nach einem finanzstarken Partner. Ob er ihn mit Bischoff schon gefunden hat? Über eine wechselseitige Beteiligung will Wöhrl, Ehemann der CSU-Bundestagsabgeordneten und einstigen Miß Germany Dagmar Wöhrl, mit dem Germania-Eigner weiter verhandeln. Daß das Pokern so lange dauert, läßt vermuten, daß sich die beiden Unternehmer nichts schenken wollen und gemeinsam eine harte Nuß zu knacken haben. Ob der Franke Mehrheitsgesellschafter der DBA bleibt, steht nach seinen Worten noch nicht fest. "Das kann sich alles ändern, wenn ein Finanzinvestor hinzukommen sollte." Dann wäre sogar eine Menage a trois perfekt.

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