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Hans Peter Haselsteiner : Aufstieg mit einem Doppelschlag

Hans Peter Haselsteiner Bild: AP

Ob deutsch-österreichisch oder österreichisch-deutsch - das interessiert den bekennenden Europäer Hans Peter Haselsteiner wohl nur am Rande.

          Ob deutsch-österreichisch oder österreichisch-deutsch - das interessiert den bekennenden Europäer Hans Peter Haselsteiner wohl nur am Rande. Mit dem Einstieg der Bau Holding Strabag bei Walter Bau steigt die von Haselsteiner kontrollierte Baugruppe in die erste Liga der europäischen Baukonzerne auf und wird neben Hochtief zum führenden Anbieter im deutschsprachigen Raum. Damit kommt der Kärntner Industrielle und ehemalige Politiker seinem Ziel, an die Spitze von Europas Bauindustrie zu rücken, rasch näher.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Haselsteiner baute das einst überschaubare Familienunternehmen durch eine expansive Übernahme- und Bündnispolitik zu einem europaweit agierenden Unternehmen aus. Sein Meisterstück war der Kauf und die Integration der damals ungleich größeren Strabag AG. Doch dem 61 Jahre alten Unternehmer genügt das nicht. Haselsteiner, der - mit Ausnahme von seinem Abstecher in die Politik - praktisch sein ganzes berufliches Leben in der Baubranche verbracht hat, wird von Bekannten als Unternehmer geschätzt, der sich nicht nur angeregt über Betonpreise oder den Autobahnbau austauschen kann. Ihm wird auch die in der Branche nach wie vor wichtige Fähigkeit zur "Handschlagqualität" nachgesagt.

          Der uneheliche Sohn einer Lehrerin studierte in Wien Handelswissenschaften. Als Steuerberater kam er Anfang der siebziger Jahre zur Kärntner Baufirma Isola & Lerchbaumer. Er heiratete die Tochter des Hauses und übernahm nach dem Tod seines Schwiegervaters die Firmenleitung. Die spätere Ilbau AG, damals ein kleiner Spieler auf dem österreichischen Markt, ist die Keimzelle des heutigen Konzerns. In den siebziger Jahren fusionierte dieser Regionalanbieter mit dem Kärntner Konkurrenten Soravia. Nach einem Flop Mitte der achtziger Jahre in Amerika ordnete Haselsteiner die Unternehmensgruppe neu. Die Bau Holding entstand. Den Durchbruch leitete Haselsteiner 1997/98 ein: Mit einem Doppelschlag übernahm die Bau Holding die doppelt so große deutsche Strabag sowie die Mehrheit an der zu Raiffeisen gehörenden Era Bau - beide Unternehmen standen wirtschaftlich unter Druck und waren entsprechend günstig zu haben.

          Zwischen 1994 und 2000 wechselte Haselsteiner in die Politik und stellte alle operativen Funktionen im Konzern zur Verfügung. Haselsteiner zog für das auf Österreichs parlamentarischer Bühne nur kurzzeitig vertretene Liberale Forum (LIF) in den Nationalrat ein. Er wurde stellvertretender Klubobmann der LIF-Gründerin und damaligen Parteichefin Heide Schmidt. Haselsteiner kehrte der Politik 2002 endgültig den Rücken, um sich ausschließlich seinem Unternehmen zu widmen. Seither wird umstrukturiert und verschmolzen. Vor zwei Jahren zog sich die Bau Holding Strabag wegen der schwachen Kursentwicklung von der Wiener Börse zurück. Frisches Kapital will sich Haselsteiner künftig über Firmenanleihen holen.

          Seine Freizeit verbringt der Extremskifahrer am liebsten an seinem Hauptwohnsitz in Bozen. Sportarten wie Golf - ein Sport, der gemeinhin gern als Plattform für Geschäftsanbahnungen genutzt wird - betrachtet Haselsteiner als Zeitverschwendung. Sehr wohl aber legt der Familienmensch großen Wert auf gute Kontakte und kennt dabei keine Parteigrenzen. Auch seine Mitgliedschaft bei den Freimaurern könnte ihm geholfen haben, Verbindungen zu knüpfen.

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