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Hans Blix : Genug kontrolliert

  • Aktualisiert am

Hans Blix wird im Sommer nicht mehr UN-ChefInspekteur für den Irak sein Bild: AFP

Der UN-Chefinspekteur für den Irak, Hans Blix, will Ende Juni seinen Posten aufgeben. Er sei enttäuscht darüber, dass den Waffenkontrolleuren nicht genügend Zeit für die Erfüllung ihrer Mission gegeben wurde.

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          UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix wird sein Amt Ende Juni niederlegen. „Mein Vertrag läuft dann aus und ich werde nicht für eine Verlängerung zur Verfügung stehen“, sagte der 74-Jährige Reportern im UN-Hauptquartier. Sollten die Waffeninspektionen in Irak wieder aufgenommen werden, müsse sich jemand anderes darum kümmern.

          Im monatelangen Konflikt um das irakische Waffenarsenal stand der 74-jährige Schwede im Mittelpunkt der Beweissuche, immer wieder war der Mann mit dem schütteren Haar und der schwarzgerahmten Brille in den abendlichen Fernsehnachrichten zu sehen und berichtete vom Fortgang seiner Arbeit. Aber letzten Endes konnte er die Vereinigten Staaten nicht vom Erfolg der Waffenkontrollen überzeugen.

          Wollte schon letztes Jahr aufhören

          "Um ehrlich zu sein, wollte er schon letztes Jahr damit aufhören“, sagte Blix' Sprecher Ewen Buchanan. Dann sei die ganze „Übung“ aber in eine besondere Phase übergegangen, und natürlich wollte der Chefinspekteur seine Arbeit nicht gerade dann abgeben, als sie am brisantesten wurde. Und so übernahm er in den langen Monaten der Verhandlung eine Art Schiedsrichter-Rolle zwischen denen, die den irakischen Machthaber Saddam Hussein mit Gewalt abrüsten wollten - und der Mehrheit, die einen Krieg verhindern wollte.

          Jede noch so kleine Äußerung von Blix wurde da ausführlich hin- und hergewendet, jeder seiner Berichte voll Spannung erwartet und ausführlich besprochen. Jedes Lager versuchte Argumente für die eigene Position aus dem herauszufiltern, was der seriöse Schwede zu sagen hatte, vor Journalisten, bei den beteiligten Regierungen, im UN-Sicherheitsrat. Ernsthaft und bedacht schien Blix dabei, nüchterner auch als sein ägyptischer Kollege Mohammed El Baradei, der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der oft neben ihm auftrat und über die Kontrollen berichtete.

          „Es hätte eine Chance gegeben"

          Dabei hatte Blix eine klare Position zu der ganzen Angelegenheit - nämlich die, dass die vorliegenden Beweise gegen Irak nicht ausreichten, um einen Krieg zu rechtfertigen. „Es hätte eine Chance gegeben, das Problem friedlich zu lösen“, sagte er in einem Fernsehinterview. Allerdings habe er schon vor Beginn des Krieges das Gefühl gehabt, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr an den Inspektionen in Irak interessiert gewesen seien, dass die Arbeit der UN-Kontrolleure sie vielmehr „irritiert“ habe, betonte Blix in einem anderen Interview.

          Dazu passt, dass Washington sich vor drei Jahren dagegen gesträubt hatte, den promovierten Juristen zum Chef der Überwachungs-, Verifikations- und Inspektionskommission der UNO (UNMOVIC) zu machen. Blix gehe zu lasch mit der irakischen Führung um, befand die Regierung. Frankreich und Russland setzten sich aber durch, und so wurde er im Januar 2000 vom UN-Sicherheitsrat in das Amt gewählt. Anders als sein Vorgänger Richard Butler wollte Blix aber die früheren Fehler der irakischen Führung nicht für ein erneutes Urteil zugrundelegen: „Ich bin da vorsichtiger. Ich verhalte mich lieber wie ein Anwalt vor Gericht und urteile aufgrund von Beweisen."

          Schwedens Außenminister

          Geboren wurde Blix am 28. Juni 1928 in Uppsala nahe der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Nach dem Jura-Studium in Schweden, New York und Cambridge übernahm er mit 32 Jahren an der Stockholmer Universität den Lehrstuhl für internationales Recht. 1963 ging er als Rechtsberater ins schwedische Außenministerium, 1978 wurde er Außenminister. Richtig bekannt wurde Blix, als er 1981 die Leitung der IAEA in Wien übertragen bekam. In den 16 Jahren seiner Amtszeit verbesserte er die Überwachungsinstrumente der IAEA deutlich, setzte zum Beispiel durch, dass die Organisation auch geheime Atomprogramme in Irak und Nordkorea untersuchen darf.

          Was Blix denn künftig machen werde, rätselten Journalisten nach der Ankündigung des Vertragsablaufs. Nun, mit seinen 74 Jahren werde er sich „seinen Studien im internationalen Recht widmen“, sagte ein Botschafter, der Blix regelmäßig trifft. Aber nein, schätzt ein anderer Diplomat: „Eher der Fliegenfischerei und dem Wandern in Nordschweden.“

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