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Anschlag auf Flüchtlingsheim : Sollte die Handgranate Wachpersonal treffen?

Gefährlicher Einsatz: Feuerwehrleute halten Freitagnacht in Villingen Löschwasser während der Sprengung einer Handgranate bereit. Bild: AP

Der versuchte Handgranaten-Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Villingen stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Die Polizei untersucht, auf wen genau das Attentat zielte.

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          Die Ermittlungen der Polizei zum versuchten Handgranaten-Anschlag in Villingen im Schwarzwald-Baar-Kreis konzentrieren sich derzeit auf die Frage des Motivs des Täters. Richtete sich der Anschlag gegen die etwa hundert Flüchtlinge in der behelfsmäßigen Erstaufnahmeeinrichtung direkt oder war es ein gezielter Anschlag gegen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes?

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach dem Anschlagsversuch hat die Polizei eine Sonderkommission eingerichtet. In der „Soko Container“ ermittelten 75 Beamte, um die Hintergründe der Tat aufzuklären, sagte Dietmar Schönherr, Leiter der Kriminaldirektion Rottweil, am Freitag auf einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen.

          Die Ermittler untersuchen auch, ob ein Zünder in der Kriegswaffe verbaut war. „Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war“, sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz. „Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung.“

          Soko-Chef Rolf Straub äußerte sich zurückhaltend zum Stand der Ermittlungen. Es werde geprüft, ob es sich um eine fremdenfeindliche Tat handele. Aber auch andere Möglichkeiten würden in Betracht gezogen. Befragungen in der Nachbarschaft hätten einige Hinweise erbracht, aber sie seien zu unkonkret, „um auf bestimmte Personen zuzugehen“.

          Gegen 1.15 Uhr in der Nacht zu Freitag hatte ein unbekannter Täter die Handgranate jugoslawischer Bauart über einen Zaun in Richtung eines Containerhäuschens geworfen, in dem sich das Sicherheitspersonal der Flüchtlingsunterkunft aufhält.

          Den Angaben der Polizei zufolge befanden sich zur Tatzeit drei Wachleute in dem Container. Insgesamt seien in der Nacht 14 Security-Mitarbeiter im Einsatz gewesen.

          Bombenfachleute des Stuttgarter Landeskriminalamtes mussten hinzugezogen werden. Um keine Menschenleben zu gefährden, entschied sich die Polizei, die Handgranate um fünf Uhr morgens durch eine kontrollierte Sprengung unschädlich zu machen. Ein Landwirt hatte zuvor mit Stroh einen Schutzwall um die Handgranate gebaut; die Feuerwehr stellte eine ausreichende Versorgung mit Löschwasser sicher. Die Polizei spricht von einer „hochgefährlichen Situation“. Eine Handgranate, die explodiert, tötet alle Menschen im Umkreis von zehn Metern.

          Sven Hinterseh, der Landrat des Schwarzwald-Baar-Kreises, zeigte sich schockiert. „Es ist nicht nur eine Hassparole. Diejenigen, die die Handgranate über den Zaun geworfen haben, handelten aktiv. Es handelt sich also um einen versuchten Mordanschlag. Darüber sind wir schockiert“, sagte der Landrat FAZ.NET.

          Bild: F.A.Z.

          Der Freiburger Regierungsvizepräsident Klemens Ficht erklärte, bei der Handgranate habe es sich um eine Kriegswaffe gehandelt. Dass diese auf eine Einrichtung für Kriegsflüchtlinge geworfen worden sei, sei besonders zu verurteilen.

          Die Ermittler schließen auch einen rechtsextremen Hintergrund nicht aus. Erst vor wenigen Tagen durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamtes in St. Georgen, das 15 Kilometer von Villingen-Schwenningen entfernt ist, die Wohnung eines 27 Jahre alten Rechtsextremisten, der mutmaßlich die Seite „Altermedia“ mitbetreiben haben soll. Die Internetseite wird einem rechtsextremistischen Netzwerk zugerechnet. Der Mann wurde verhaftet.

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