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Arafat-Gedenken in Gaza : Droht ein neuer Bruderkrieg?

In Nablus im Westjordanland wird Arafat an seinem zehnten Todestag gedacht. Bild: dpa

Angeblich aus Angst vor Anschlägen sagt die Hamas die große Gedenkfeier zum zehnten Todestag von Jassir Arafat ab. Flammt der Kieg mit der Fatah wieder auf?

          Die Bühne war bereits aufgebaut. Für diesen Dienstag war im Stadtzentrum von Gaza eine große Gedenkfeier geplant. Zum ersten Mal seit 2007 sollte wieder an Jassir Arafat erinnert werden, der vor zehn Jahren in einem Militärkrankenhaus in Paris gestorben war. Doch das von der Hamas kontrollierte Innenministerium sagte die Veranstaltung ab: Nach den Vorfällen am vergangenen Freitag könne man die Sicherheit der Teilnehmer nicht garantieren, wurde der Fatah-Organisation mitgeteilt, die das Gedenken vorbereitet hatte. Innerhalb einer Stunde waren in Gaza-Stadt 15 Sprengsätze explodiert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Alle Anschläge galten führenden Mitgliedern der Fatah-Organisation, die sich erst vor wenigen Monaten mit der Hamas versöhnt und eine gemeinsame Übergangsregierung gebildet hatte. Ihre Häuser und Autos wurden beschädigt, auch die Bühne für die Gedenkfeier. „Es war ein harter Schlag für die Versöhnung. Das Vertrauen ist stark erschüttert“, sagt der Politikwissenschaftler Usama Antar aus Gaza-Stadt. Man frage sich, warum die von der Hamas kontrollierten Sicherheitskräfte immer noch keine Ermittlungsergebnisse vorgelegt hätten. Ein Hamas-Sprecher wies Vorwürfe zurück, wonach unzufriedene Mitglieder seiner Organisation hinter den Attentaten stecken könnten. Es habe sich um eine „interne Fatah-Angelegenheit“ gehandelt, sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen.

          Frust über Abbas macht sich breit

          In Gaza gab es Gerüchte, wonach Anhänger von Mohammed Dahlan, eines Rivalen des Fatah-Vorsitzenden und palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas die Täter gewesen sein könnten. Bisher bezichtigte sich nur die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Da der IS in Gaza bisher nicht aktiv war, wurde diese Erklärung für wenig glaubwürdig gehalten.

          Die Tatsache, dass sich die weiterhin von der Hamas kontrollierten Sicherheitskräfte nicht in der Lage sehen, eine von der Fatah organisierte Gedenkfeier zu schützen, wirft ein beunruhigendes Licht auf die Lage in Gaza. Beide Gruppen hatten einander nach dem Ende des Kriegs im Sommer noch einmal versprochen, ihren Bruderkrieg endgültig zu beenden. Im Oktober kam der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamadallah zum ersten Mal mit seinem ganzen Kabinett nach Gaza. Am Samstag wagte er sich nun nicht mehr dorthin, weil er um seine Sicherheit fürchtete.

          Seit sieben Jahren war in Gaza nicht mehr offiziell an den Tod von Jassir Arafat erinnert worden, den die meisten Palästinenser weiterhin als ihren wichtigsten Anführer verehren. Bei der letzten Gedenkfeier in Gaza war es im November 2007 zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Fatah- und Hamas-Angehörigen gekommen. Sechs Fatah-Mitglieder wurden damals getötet. Im Jahr zuvor hatte die Hamas in Gaza gewaltsam die Macht an sich gerissen und war mit großer Härte gegen die Fatah vorgegangen.

          Sieben Jahre später gestalten sich die Rückkehr von Abbas Autonomiebehörde und der Rückzug der Hamas von der Regierung schwierig. Beide Seiten überzogen einander schon vor der jüngsten Attentatsserie mit Vorwürfen. Monatelang mussten 24.000 Regierungsbedienstete, welche die Hamas angestellt hatte, auf ihre Gehälter warten, die sie erst in der vergangenen Woche erhielten. Nicht die Regierung in Ramallah, sondern das Golfemirat Qatar hatte sie übernommen. Die Sicherheitskräfte, die weiterhin der Hamas unterstehen, gingen leer aus. In ihren Reihen wächst die Unzufriedenheit. In Gaza sehen manche darin ein mögliches Motiv für die jüngste Gewalt und die Absage der Feier.

          In der Bevölkerung breitet sich zugleich Frustration aus, weil es der Übergangsregierung unter Präsident Abbas nicht gelingt, den Wiederaufbau voranzutreiben. Die ägyptische Regierung schloss nach dem verheerenden Terroranschlag in Rafah Ende Oktober die Grenze nach Gaza und sagte die in Kairo geplanten Vermittlungsgespräche über einen Waffenstillstand ab. Über den einzigen israelischen Grenzübergang kommt nur ein Bruchteil dessen, was nötig ist, um die Kriegsschäden zu beseitigen.

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