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Protest in Ägypten : Wie man in Kairo in Schwierigkeiten gerät

  • -Aktualisiert am

Aus dem Video: Zwei Ägypter schreiben auf aufgeblasene Kondome „Von der Jugend Ägyptens für die Polizei zum 25. Januar“. Bild: Video-Screenshot

Die Ägypter sollten am Jahrestag der Revolution den „Tag der Polizei“ feiern. So wollte es ihre Regierung. Ein Satiriker und ein Schauspieler haben das getan und stecken nun in großen Schwierigkeiten.

          4 Min.

          Als die Menschen auf dem Kairoer Tahrir-Platz noch daran glaubten, dass Protest ihr Land verändern könnte, war ein beliebter Slogan „Misr hiya Misraheya!“, etwa: „Ägypten ist ein Trauerspiel!“ In diesen Tagen wird nun einer neuer Akt dieses absurden Schauspiels aufgeführt, der am Montag auf dem Tahrir-Platz seinen Anfang genommen hat.

          Zum Jahrestag der Revolution hatten dort der Satiriker Shady Hussein Abu Zaid und der Schauspieler Ahmed Malek mit einer Protestaktion für Aufsehen gesorgt, die sie nun in ernste Schwierigkeiten bringt: Ihnen drohen mehrere Monate Haft.

          Es war eine politische, aber harmlose Aktion, wie sie sich in Deutschland vielleicht die Titanic hätte ausdenken können: Abu Zaid und Malek bliesen Kondome zu Ballons auf, beschriftete sie mit Edding, verschenkten sie anschließend auf dem Tahrir-Platz an Polizisten und filmten das Ganze. Dazu muss man wissen, dass der 25. Januar, nicht nur der Jahrestag der Revolution von 2011 ist, sondern seit 2009 auf Mubaraks Anordnung hin auch der „Tag der Polizei“.

          "لن تصدق ماذا قدموا للشرطة في ٢٥ يناير ٢٠١٦"

          نزلنا نحتفل بعيد الشرطة في عز البرد علشان محدش يزايد علينا."لن تصدق ماذا قدموا للشرطة في ٢٥ يناير ٢٠١٦"

          Posted by Shady H. AbuZaid on Montag, 25. Januar 2016
          Das Video der Aktion – Rund zwei Millionen Menschen haben es gesehen

          Auf den Ballons stand, wie man im Video sehen kann, „Von der Jugend Ägyptens für die Polizei zum 25. Januar“. Die ahnungslosen Polizisten hielten die Kondome für Luftballons und freuten sich. Abu Zaid und Malek küssten sie auf die Wange und riefen „Es lebe Ägypen!“. Das zweiminütige Video der Aktion wurde auf Facebook schnell ein viraler Hit, das mehr als 20.000 mal geteilt, fast zwei Millionen mal angeschaut wurde. Es dauerte nicht lange, bis die ersten auf Twitter und Facebook das Thema mit eigenen Karikaturen und Bildmontagen aufgriffen:

          Oder mit der ägyptischen Version des auf Facebook beliebten Strichmännchens Bill:

          Mit der Veröffentlichung des Videos wurde auch den beschenkten Polizisten klar, dass es sich um politische Satire handelte. Auf einer Unterstützer-Seite der Polizei schrieb ein Nutzer, damit hätten sich die beiden „die Feindschaft von 37.000 Polizisten“ erworben. Ein Offizier reichte Klage bei der Staatsanwaltschaft ein. Ebenso zwei Anwälte wegen „Beleidigung der Polizei“.  Laut der Internetseite des „Egyptian Idependent“ droht den beiden dafür mindestens sechs Monate Haft sowie eine Geldstrafe.

          Eine Haftstrafe ist nicht unwahrscheinlich

          Die Zeitung „Al-Masry Al-Youm“ meldete am Mittwoch, dass Abu Zaid am Dienstagabend festgenommen worden sei, was auch von einigen Nachrichtenagenturen aufgegriffen wurde. Abu Zaid selbst widerrief das in einem Statement, das von seiner Schwester Roula Hussein Abu Zaid verbreitet wurde: „Es gab falsche Behauptungen von Verantwortlichen im Innenministerium, dass ich verhaftet worden sei“.

          Eine Anklage und Verurteilung ist indes nicht unwahrscheinlich. Immer wieder sind in Ägypten Demonstranten in fraglichen Verfahren zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Etwa der in Frankfurt lebende Ägypter Ahmed Said, der wegen Teilnahme an einer friedlichen Demonstration in Kairo zu einer zweijährige Haftstrafe verurteilt wurde. Am Mittwoch wurde das Urteil in zweiter Instanz bestätigt, wie der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Christoph Strässer mitteilte. Nach Angaben von Human Rights Watch befinden sich derzeit mehr als 40.000 Regimegegner in den ägyptischen Gefängnissen. „Ich denke, dass meine Tage gezählt sind. Wenn ich ins Gefängnis gehe, dann werde ich lange dort bleiben“, schreibt Abu Zaid auf seiner Facebook-Seite.

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