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Guido Westerwelle : Doch noch Außenminister

  • -Aktualisiert am

Guido Westerwelle an der Gangway in Berlin: Wandel in aller Stille zu einem echten Außenminister? Bild: dapd

Abseits öffentlicher Aufmerksamkeit hat Guido Westerwelle auf der internationalen Bühne an Statur gewonnen. Westerwelle wirkt derzeit wie ein echter Außenminister. Dennoch blickt der FDP-Politiker auf das Scheitern seines Traums.

          6 Min.

          Als Guido Westerwelle dieser Tage zum G-8-Gipfel nach Washington reiste, wurde er mit der Frage konfrontiert, ob ihm bewusst sei, dass er demnächst der dienstälteste Außenminister der Runde sein könnte. Denn Hillary Clinton habe angekündigt, nach den Präsidentschaftwahlen im November ihren Posten im State Department aufzugeben. Zudem gebe es Gerüchte, der künftige russische Präsident Putin werde sich einen neuen Chefdiplomaten suchen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Einmal abgesehen davon, dass Westerwelle wohl nicht damit rechnet, dass Sergej Lawrow sein Amt verlieren wird, kommentierte der Deutsche die Frage nur mit einem Schmunzeln. Die wortlose Geste drückte eine vielschichtige Gefühlsmischung aus, in dem auch ein Stück Genugtuung zum Ausdruck kam: Dass ihm einmal eine solche Frage gestellt werden würde? Ein Jahr, nachdem er gezwungen worden war, den FDP-Vorsitz und den Titel des Vizekanzlers aufzugeben. Und ein dreiviertel Jahr, nachdem ihn sein Nachfolger Philipp Rösler zum Außenminister auf Bewährung erklärt hatte, dessen Richtlinien er Westerwelle fortan vorgebe.

          Irgendetwas ist seither passiert. Der Außenminister galt seinerzeit als abgeschrieben. In der Öffentlichkeit, aber auch in der Politik. Die Kanzlerin und der Verteidigungsminister galten nun als diejenigen, welche die diplomatische Leerstelle am Werderschen Markt füllten.

          In aller Stille hat Westerwelle die Zeit abseits öffentlicher Aufmerksamkeit genutzt, um zu tun, was ihm nach seinem Amtsantritt 2009 einfach nicht gelingen wollte: Wer ihn nun beobachtet auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Jahresbeginn, auf Reisen in die arabische Welt und in Verhandlungen über die Krisen in Syrien, Iran und Afghanistan, muss sich zuweilen die Augen reiben: Westerwelle sieht nun aus wie ein echter Außenminister. Und weil man der Sache immer nicht ganz traut, ist man geneigt vorsichtig anzufügen: derzeit. Also: Westerwelle sieht derzeit aus wie ein echter Außenminister.

          Im Kollegenkreis: Sein Lächeln ist mitunter noch verkrampft, doch fremdelt Westerwelle längst nicht mehr
          Im Kollegenkreis: Sein Lächeln ist mitunter noch verkrampft, doch fremdelt Westerwelle längst nicht mehr : Bild: dpa

          Zwei Begegnungen mit Lawrow und Frau Clinton beschreiben den Wandel des Mannes auf anschauliche Weise. Vor wenigen Wochen stand der mit allen diplomatischen Wassern gewaschene Russe neben Westerwelle in der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen Amtes in Berlin. Es war der Tag, an dem der UN-Sicherheitsrat endlich jene Präsidentenerklärung annahm, mit welcher der Syrien-Plan Kofi Annans autorisiert wurde. Und es war zufällig auch der 62. Geburtstag Lawrows.

          In der Pressekonferenz provozierte der Russe den Deutschen mit der Bemerkung, Moskau hätte diese Erklärung schon im vergangenen Sommer annehmen können. Wahrscheinlich aber, ätzte der Karrierediplomat, habe der Westen warten wollen, um ihm heute dieses Geburtstagsgeschenk zu bereiten. Westerwelle blieb gelassen, flüsterte dem Geburtstagskind leise zu: „I wouldn’t bet on it, Sergej“, er würde darauf nicht wetten - und lobte im Weiteren die erzielte Einigung.

          Mit diplomatischen Schlüsselqualifikationen

          War das der gleiche Mann, der ein Jahr zuvor - nach dem diplomatischen Desaster der deutschen Enthaltung zur Libyen-Resolution - beim Treffen der Nato-Außenminister in Berlin Frau Clinton noch einmal deren mittlerweile verworfenen Argumente gegen einen Militäreinsatz in Nordafrika unter die Nase gerieben hatte? Und das in einer Laudatio für die Amerikanerin, der seinerzeit für ihre Verdienste um das deutsch-amerikanische Verhältnis der Walter-Rathenau-Preis verliehen wurde.

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