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Günter Verheugen : Mister Erweiterung

Günter Verheugen (2004) Bild: AP

Auf diesen Tag hat Günter Verheugen fast fünf Jahre lang unermüdlich hingearbeitet. Die feierliche Zeremonie, mit der die Staats- und Regierungschefs am Samstag in Dublin die Ost-Erweiterung der Europäischen Union begehen werden, markiert den vorläufigen Höhepunkt in der Karriere des SPD-Politikers. Gegen alle Widerstände hat er das Vorhaben vorangetrieben und kann sich den Erfolg nun auch an die eigene Brust heften. In den osteuropäischen Bewerberstaaten gilt Verheugen als "Mister Erweiterung".

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          Auf diesen Tag hat Günter Verheugen fast fünf Jahre lang unermüdlich hingearbeitet. Die feierliche Zeremonie, mit der die Staats- und Regierungschefs am Samstag in Dublin die Ost-Erweiterung der Europäischen Union begehen werden, markiert den vorläufigen Höhepunkt in der Karriere des SPD-Politikers. Gegen alle Widerstände hat er das Vorhaben vorangetrieben und kann sich den Erfolg nun auch an die eigene Brust heften. In den osteuropäischen Bewerberstaaten gilt Verheugen als "Mister Erweiterung", der ihren Wunsch nach rascher Aufnahme in den Club im Zweifel über alle Einwände stellte. Schon bald nach seinem Wechsel nach Brüssel im Herbst 1999 pochte er auf feste Terminzusagen, um den politischen Schwung des Beitrittsprozesses in Gang zu halten. Diese Rechnung ist aufgegangen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          So viel Erfolg, auf den nur das Scheitern des Referendums über die Wiedervereinigung Zyperns einen Schatten wirft, qualifiziert für höhere Aufgaben. Auch Kritiker bescheinigen Verheugen ausgeprägtes Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit zur Vermittlung. Aber es fehlt ihm auch nicht der Mut zu klaren Worten wie vor der Zypern-Abstimmung. Selbstbewußt zeigt sich Verheugen, der am Mittwoch sechzig Jahre alt geworden ist, offen für neue Herausforderungen und möchte "keine Option ausschließen". Bei seinem Amtsantritt hatte die Opposition den früheren Staatsminister im Auswärtigen Amt, der erst nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 von der FDP in die SPD gefunden hatte, noch als "Juniorkommissar" verspottet. Inzwischen zollt ihm sogar Angela Merkel öffentlich Respekt. Kürzlich lobte sie ihn als erfolgversprechenden Bewerber um das Brüsseler Amt eines "Superkommissars", der als Vizepräsident der Kommission die EU-Wirtschaftspolitik koordinieren könnte. Verheugen leistet diesen Spekulationen - gewollt oder ungewollt - Vorschub. Auffällig oft meldet sich der gelernte Journalist in letzter Zeit zu wirtschaftspolitischen Themen zu Wort. Aber sein Herz schlägt wohl noch immer mehr für die Außenpolitik, und auch für dieses Feld winkt in der neuen Kommission möglicherweise ein reizvoller Vizepräsidenten-Posten. Andere sehen ihn bereits nach einer Kabinettsumbildung in der Bundesregierung. Verheugen als Allzweckmann des Bundeskanzlers: Schon das zeigt, wie sehr sich das nicht immer unproblematische Verhältnis zu Gerhard Schröder verbessert hat. Wiederholt hat sich Verheugen in Brüssel für die Bundesregierung ins Zeug gelegt und dafür auch Streit im eigenen Haus in Kauf genommen. In diese Reihe gehört vor allem seine öffentliche Schelte, als die Kommission Berlin und Paris im Streit um das ausufernde staatliche Defizit vor dem Europäischen Gerichtshof verklagte. Und bei der Vorbereitung der neuen EU-Finanzplanung vertrat er in der Kommission entschieden den Berliner Sparkurs, was ihm den Vorwurf einbrachte, die Augen vor dem finanziellen Preis "seiner" Erweiterung zu verschließen. Verheugens größte Bewährungsprobe steht noch bevor: die Entscheidung darüber, ob die EU Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufnehmen soll. Im Oktober, unmittelbar vor dem Ende seines Mandats, wird er seine Empfehlung dazu abgeben müssen. Und dann wird sich zeigen, ob der Kommissar in dieser Zukunftsfrage dem Druck aus Berlin standhält.

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