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Debatte um Atomkraft : Grüne wollen auf Änderungen an EU-Plänen dringen

  • Aktualisiert am

Die Kühltürme des Atomkraftwerkes Grundremmingen, das an Silvester 2021 außer Betrieb gegangen ist. Bild: dpa

Die EU-Kommission möchte Atomkraft als nachhaltig einstufen. Das geht den Grünen zu weit. Die stellvertretende Parteivorsitzende Ricarda Lang kündigt an, Verbesserungen an dem Vorschlag durchsetzen zu wollen.

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          Die Grünen wollen auf Änderungen an den EU-Plänen zur Einstufung von Atomkraft als nachhaltig dringen. „Unser Ziel muss es jetzt sein, über die Bundesregierung aber natürlich auch über Kollegen im EU-Parlament, wo mit einfacher Mehrheit abgelehnt werden kann, Druck auszuüben, auf Verbesserungen hinzuwirken bei diesen Regeln zur Taxonomie“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Ricarda Lang am Montag im ARD-Morgenmagazin.

          Die Grüne bekräftigte die Kritik, die auch Parteikollegen wie Umweltministerin Steffi Lemke und Wirtschaftsminister Robert Habeck geäußert hatten: Atomkraft als nachhaltig einzustufen „ist eine Form von Greenwashing, bei der wir nicht mitgehen sollten“. Dies drohe dazu zu führen, „dass wichtige Investitionen, die wir jetzt für die erneuerbaren Energien brauchen, dass die in die falsche Richtung geleitet werden“.

          Zustimmung im Rat und Parlament offenbar nicht ausreichend

          Die EU-Kommission hatte in der Neujahrsnacht ihren Verordnungsentwurf zur sogenannten Taxonomie an die Regierungen der 27 EU-Mitgliedstaaten geschickt. Die Taxonomie ist eine Art Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten und kommt einer Einstufung als förderwürdig und einer Empfehlung an Investoren gleich. Brüssel schlägt unter anderem vor, Investitionen in neue Atomkraftwerke oder zur Laufzeitverlängerung von bestehenden unter bestimmten Umständen als nachhaltig und klimafreundlich zu klassifizieren.

          Die Kommission will die Verordnung in zwei Wochen offiziell vorstellen. Anschließend können der Rat der Mitgliedstaaten und das EU-Parlament das Vorhaben theoretisch noch stoppen. Im Rat wäre allerdings eine kaum erreichbare qualifizierte Mehrheit von 20 der 27 Mitgliedstaaten, die zudem für 65 Prozent der EU-Einwohner stehen, nötig. Auch im EU-Parlament, wo eine einfache Mehrheit für ein Veto reichen würde, zeichnet sich dies bislang nicht ab.

          Zuspruch erhielt das Brüsseler Vorhaben von der AfD. Der Vorstoß der EU-Kommission „ist die völlig richtige Anerkennung einer unumstößlichen Tatsache“, erklärte der AfD-Ko-Vorsitzende Jörg Meuthen. „Meint man es ernst mit der Reduktion von CO2-Emissionen, ohne dabei Deindustrialisierung der Wirtschaft, Verarmung der Massen, Bevormundung der Bürger und eine Energiekrise in Kauf zu nehmen, kommt man an der Atomkraft definitiv nicht vorbei." Der Bundesregierung warf der EU-Abgeordnete vor, Deutschland in der EU zu isolieren.

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