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Grüne Revolution : „Die Zukunft ist nicht Sack und Asche“

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„Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte hängt alles davon ab, ob uns eine Entkoppelung von Wachstum und Naturverbrauch gelingt“: Ralf Fücks Bild: picture-alliance/ dpa

Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, über nervigen Ökocalvinismus, vegetarischen Genuss und eine neue industrielle Revolution.

          5 Min.

          Herr Fücks, als 1972 die Studie „Grenzen des Wachstums“ erschien, waren Sie 21. Haben Sie das Buch damals gelesen?

          Ein bisschen später - in der Übergangsphase von meinen linksradikalen Zeiten zur grünen Bewegung, die sich schon in den siebziger Jahren anbahnte mit der Anti-AKW-Bewegung und den Bürgerinitiativen für Umweltschutz. Das war eine Phase, in der ich mit ein paar politischen Freunden sehr intensiv ökologische Literatur gelesen habe. Natürlich auch die „Grenzen des Wachstums“, das war ja quasi die Bibel der globalen Ökobewegung.

          Gut vierzig Jahre später sind Sie nicht mehr im politischen Tagesgeschäft tätig, dafür im Vorstand der Böll-Stiftung, und Sie haben ein Buch geschrieben, das „Intelligent wachsen“ heißt. Wie sehen Sie das Wachstumsthema heute?

          Es gibt eine frappierende Renaissance der Debatte über die Grenzen des Wachstums, die sich mit einer Wiederkehr der Kapitalismuskritik verbindet. Das Grundgefühl, dass es so nicht mehr weitergeht, teile ich durchaus. Der Kasinokapitalismus ist an seine Grenze gestoßen, und die globale Ökobilanz ist tiefrot. Zugleich gibt es aber auch ein Moment, das ich als europäische Müdigkeit beschreiben würde, eine Erschöpfung an der Moderne. Das hat bei manchen Autoren einen regelrecht kulturpessimistischen Einschlag.

          Und Sie wecken jetzt die Europäer auf?

          Ich versuche, eine andere Erzählung dagegenzusetzen: dass wir eben nicht am Ende des wissenschaftlich-technischen Zeitalters sind, sondern in einem großen Aufbruch, einer neuen industriellen Revolution. Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte hängt alles davon ab, ob uns eine Entkoppelung von Wachstum und Naturverbrauch gelingt. Nicht ob, sondern wie die Weltwirtschaft wächst, ist die Frage aller Fragen.

          „Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch“, „grüne industrielle Revolution“: Diese Wörter sind sehr groß und auch sehr positiv, so ähnlich wie „Nachhaltigkeit“. Haben Sie den Eindruck, dass die Leute bei solchen Wörtern eher hin- oder eher weghören?

          Meine Erfahrung mit dem Buch ist zumindest, dass es spannende Debatten auslöst. Zum Teil wirkt es auch verstörend, weil die Denkfigur der Grenzen des Wachstums so tief ins kollektive Bewusstsein nicht nur der grünen Bewegung eingesunken ist. Viele tun sich schwer mit dem „Wachsen mit der Natur“. Das halten sie für einen Widerspruch in sich. Aber es gibt auch ein Bedürfnis nach einer zuversichtlichen Lesart, dass die Zukunft nicht ein Korridor ist, der immer schmaler wird, sondern ein Universum von Möglichkeiten.

          Gehört in dieses Universum die Bionik, eine Technik, die ihre Ideen aus der Natur nimmt? Kühlungssysteme nach dem Vorbild der schwarz-weißen Streifen des Zebras und so weiter?

          Unbedingt. Es gibt eine Fülle von Beispielen dafür, dass die Transformation zu einer ökologischen Produktionsweise schon begonnen hat: Gebäude, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen, vertikale Solargewächshäuser, der Boom der erneuerbaren Energien, Elektromobilität, Biokunststoffe aus organischen Abfällen.

          Vor 100 Jahren gab es so etwas Ähnliches schon mal: das neue Bauen oder den Versuch, Städte zu begrünen. Sind die Reformer damals gescheitert, so dass wir jetzt solch eine neue Bewegung brauchen? Oder sind die Herausforderungen der Moderne so viel größer geworden, dass wir nachlegen müssen?

          Wir haben historisch schon immer zwei konkurrierende Lesarten: Der Gedanke der Synergie mit der Natur ist nicht neu, genauso wenig wie die Gegenerzählung, dass die industrielle Moderne der Weg in die Katastrophe ist. Aber wir sind jetzt zum ersten Mal an einem Punkt, wo wir den Absprung von fossilen zu erneuerbaren Energiequellen schaffen können und zu einer Kreislaufökonomie, die sich in vernetzten Wertstoffketten bewegt, wo jeder Reststoff zum Ausgangspunkt einer neuen Wertschöpfung wird.

          Und Sie glauben wirklich, dass das geht?

          Absolut. Viele Unternehmen sind schon auf dem Weg zur abfallfreien Produktion. Jetzt geht es darum, das auf die ganze Wertschöpfungskette zu erweitern. Ein zentraler Hebel dabei ist die Rücknahmeverpflichtung für die Hersteller.

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