https://www.faz.net/-gpf-6ugdw

Großbritanniens neuer Verteidigungsminister : Der Flexible

Philip Hammond Bild: AFP

Philip Hammond, der neue Verteidigungsminister Großbritanniens, hat schon manchen Ärger gehabt. Von militärischem Gerät versteht er wenig, gilt aber als geistig besonders beweglich.

          Der neue britische Verteidigungsminister ist ein gutes Beispiel für die Wandelbarkeit, die ein Kabinettspolitiker in der Regierung Ihrer Majestät aufzuweisen hat: Von Panzern, Fregatten und Kanonen hat Phil Hammond bisher allenfalls am Rand Notiz genommen, insofern sie vielleicht hie und da Straßenschäden verursachten (Hammond war bislang Verkehrsminister) oder ihre Bestellung den Staatshaushalt überzog (Hammond war in der Oppositionszeit der Konservativen finanzpolitischer Sprecher); oder insofern Rüstungsexporte die Handelsbilanz verbesserten (Hammond war auch einmal Oppositionssprecher für Handel und Industrie).

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          In allen Ämtern hat der hochgewachsene, schlanke, gelassene Abgeordnete des Wahlkreises Runnymeade Geduld und Kompetenz bewiesen, es an Angriffslust hingegen fehlen lassen. Hammond wuchs am Nordostrand Londons in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, verließ Oxford mit einem Abschluss in Politik und Wirtschaftswissenschaften und machte in kleinen und mittleren Unternehmen Karriere, zuerst in der Medizintechnik, später bei einer Bau- und Betreiberfirma für Altersheime.

          Die Führungs- und Managementfähigkeiten aus dieser Zeit hat er in die Politik mitgenommen. Er war fast vierzig, als er in einer Nachwahl im "roten" Osten Londons erstmals vergeblich für einen Unterhaussitz kandidierte; bei der nächsten regulären Wahl wurde er für diese aussichtslose Anstrengung mit dem bombensicheren Sitz westlich der Hauptstadt belohnt, zu dessen Territorium auch jene Wiese bei Runny meade an der Themse zählt, auf der einst mit der Unterschrift unter die Magna Charta die englische Verfassungsgeschichte begann.

          Kürzungsreform der Streitkräfte

          Hammond betrat die parlamentarische Bühne 1997 nach jener Wahl, die den Konservativen eine schwere Niederlage bescherte und das Ende der Ära Thatcher/Major sowie den Beginn von 13 Oppositionsjahren markierte. Als noch junger Parlamentarier mit Erfahrungen aus einer privaten Unternehmerlaufbahn arbeitete sich Hammond bald von den Hinterbänken in die erste Reihe der konservativen Oppositionspolitiker vor. Er wäre nach dem Wahlsieg der Konservativen im vergangenen Jahr gern auf eine Schlüsselfunktion im Finanzministerium berufen worden, doch der Postenproporz in der Koalitionsregierung von Konservativen und Liberaldemokraten ließ das nicht zu.

          Deswegen fand Hammond sich auf dem Sessel des Verkehrsministers wieder, wo er - ruhig und argumentationssicher - den umstrittenen Bau einer Hochgeschwindigkeitseisenbahntrasse vorantrieb, die von London aus durch die lieblichen Cotswolds nach Birmingham führen soll, deswegen viele konservative Wahlkreise durchschneidet und Widerstand in der Regierungspartei hervorruft.

          Hammonds letzte Initiative im Verkehrsressort betraf die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 70 auf 80 Meilen. Der Verkehrsminister rechnete vor, wie sehr dies das britische Bruttosozialprodukt erhöhen könne. Im neuen Amt wird der kühl kalkulierende Hammond ganz andere Rechnungen lösen müssen; sie lauten Afghanistan und Kürzungsreform der Streitkräfte.

          Weitere Themen

          Polizei durchsucht Wohnungen wegen Terrorgefahr Video-Seite öffnen

          Razzia in Nordrhein-Westfalen : Polizei durchsucht Wohnungen wegen Terrorgefahr

          Bei den Räumen in Düren und Köln handelt es sich nach Angaben der Polizei um Wohnungen islamistischer Gefährder. Es gäbe Erkenntnisse, dass sie möglicherweise einen Anschlag in Deutschland geplant haben, erklärt Wolfgang Baldes, Pressesprecher der Polizei Köln.

          Topmeldungen

          Der Markt für Smartphone-Hersteller wie Apple, Huawei und Samsung kannte lange nur eine Richtung: nach oben. Diese Ära ist jetzt vorbei.

          Absatz von Smartphones : Handybesitzer zögern Neukauf immer länger hinaus

          Umweltschützer freut es, die Hersteller sind frustriert: Handybesitzer warten immer länger, bis sie sich ein neues Gerät kaufen. Die Top-Marken müssen ein Minus von fast 4 Prozent verkraften – 5G soll das ändern.

          EU-Urheberrecht : Von wegen keine Uploadfilter!

          Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss Deutschland das neue EU-Urheberrecht umsetzen – ohne Uploadfilter. Das verspricht jedenfalls die CDU. F.A.Z.-Redakteur Hendrik Wieduwilt hat daran seine Zweifel.

          Video von Trump und Epstein : „Sie ist scharf“

          Donald Trump hat in den vergangenen Wochen immer behauptet, den des Sexhandels beschuldigten Milliardär Jeffrey Epstein kaum zu kennen. Ein Video von 1992 zeigt die beiden jedoch bei einer von Trumps Partys in Florida.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.