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Großbritannien : Moschee-Oberhaupt hatte Polizei vor "Schuh-Attentäter" gewarnt

  • Aktualisiert am

Reid wartet auf nächsten Gerichtstermin Bild: dpa

Er habe die Behörden immer wieder über radikale Moslems informiert, die in seiner Gemeinde operierten, sagte der Vorsteher einer Londoner Moschee am Donnerstag.

          Das Oberhaupt einer Moschee in London hat die Polizei mehrfach vor dem späteren „Schuh-Attentäter“ Richard Reid gewarnt. In den vergangenen fünf Jahren habe er die Behörden immer wieder über radikale Moslems informiert, die in seiner Gemeinde operierten, sagte Abdul Haqq Baker, Vorsteher der Moschee in Brixton, am Donnerstag.

          Reid war der Gemeinde im Londoner Schwarzen-Stadtteils zur gleichen Zeit beigetreten wie Zacarias Moussaoui, der als „20. Mann“ der Anschläge vom 11. September gilt und in den USA wegen Verschwörung angeklagt wurde.

          Ausbildung in Al-Qaida-Lagern?

          Der amerikanische Fernsehsender ABC hatte am Mittwoch berichtet, es gebe Beweise für Kontakte zwischen Moussaoui und Reid im vergangenen Jahr. Beide seien in einem Ausbildungslager des Terrornetzwerks Al Qaida in Afghanistan ausgebildet worden. Einige festgenommene Al-Qaida-Kämpfer hätten den als Richard Cole Reid registrierten Mann auf Fotos wiedererkannt.

          Baker erklärte, Moussaoui und Reid hätten wahrscheinlich gemeinsam an Lesungen radikaler Moslems teilgenommen, die nicht in dem Zentrum in Brixton lehren durften.

          Konvertierter Kleinkrimineller

          Die britische "Times" bezeichnete Reid als einen zum Islam übergetretenen Kleinkriminellen, der sich auf der Suche nach dem Heiligen Krieg befunden habe. Der 28-jährige Sohn eines jamaikanischen Vaters und einer Engländerin sei im Gefängnis zum Islam konvertiert. Mehrfach sei er wegen Delikten wie Straßenraub eingesperrt gewesen.

          "Er wurde aufreizend arrogant"

          Reid, der sich Abdel Rahim nannte, habe den Koran studiert und so gut Arabisch gelernt, dass er Briefe habe schreiben können“. Moschee-Vorsteher Baker sagte: „Wir bemerkten eine große Veränderung in ihm. Er wurde aufreizend arrogant. Wir wollten ihn stoppen. Er fragte uns dann immer 'Wisst ihr, wo es einen Heiligen Krieg gibt, in dem ich kämpfen kann?' Später trug er militärische Tarnkleidung.“

          Komplizierte Sprengstoffmischung

          Der Anklage zufolge hatte er „zwei funktionierende improvisierte Sprengkörper“ in seinen Schuhen verborgen und versucht, sie am vergangenen Samstag an Bord einer Boeing 767 der American Airlines auf dem Flug von Paris nach Miami mit einem Streichholz zu zünden. Der Sprengstoff wäre nach Angaben von Ermittlern explodiert, wenn Reid nicht vorher von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt worden wäre.

          Es bestehe der Verdacht, dass es sich um eine Spielart des Sprengstoffs C-4 handelt. Die Zeitung „Boston Globe“ berichtete unter Berufung auf einen Ermittlungsbeamten, die komplizierte Sprengstoffmischung habe die Frage aufgeworfen, ob Reid Hilfe gehabt haben könnte.

          Einzeltäter oder Terror-Organisation?

          Die mutmaßlichen Aussagen der Gefangenen in Afghanistan waren die ersten Hinweise auf einen größeren terroristischen Hintergrund. Moschee-Vorsteher Baker, der Reid als „typisches Straßenkind des Londoner Südwestens“ beschrieb, hielt es für wenig wahrscheinlich, dass Reid den versuchten Sprengstoffanschlag allein plante. „Er hätte das niemals allein machen können. Er hat nicht die Fähigkeit, so zu denken.“

          Angeblich Anreise aus Amsterdam

          Nach französischen Presseberichten ist Reid aus Amsterdam über Brüssel nach Paris gereist, wo er die Maschine der American Airlines bestieg. In der niederländischen Hauptstadt seien Richard Reid die „Sprengstoff-Schuhe“ ausgehändigt worden, schrieb „Le Parisien“, die sich auf französische Untersuchungsbeamte berief. In Belgien habe er sich einen neuen Pass ausstellen lassen, „um die Spuren seiner früheren Reisen nach Ägypten zu verwischen“. Der verhinderte Attentäter sei im Juli als „Vorbereitung“ mehrmals mit der israelischen Fluggesellschaft „El Al“ geflogen, weil diese für ihre scharfen Kontrollen bekannt sei.

          Gerichtstermin am Freitag

          Reid wartet derzeit in einer Zelle in Plymouth bei Boston (Massachusetts) auf seinen zweiten Gerichtstermin, der für diesen Freitag geplant ist. Er wird rund um die Uhr bewacht, weil die Behörden einen Selbstmordversuch nicht ausschließen. Er war am Montag erstmals einem Richter vorgeführt worden. Weil er noch keinen Anwalt hatte, äußerte er sich noch nicht zu der Anklage, die ihm vorerst nur „Einmischung in die Pflichten einer Flugzeugbesatzung“ vorwirft.

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