https://www.faz.net/-gpf-85e4q

Griechenland-Krise : Nervenkrieg mit Tsipras

  • -Aktualisiert am

Nach dem Nein der Griechen kommt es auf die Gruppe der Eurostaaten an. In ihr gilt: Niemand will (viel) Geld verlieren oder der Tsipras-Truppe einen großen politischen Sieg bescheren. Allerdings zeigen sich erste Haarrisse.

          1 Min.

          Wie es mit Griechenland weitergeht, wird im Wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt werden, die schon vor der Volksabstimmung die wirklich ausschlaggebenden waren: die Lage der griechischen Banken und die Haltung der anderen Euroländer. Über Erstere entscheidet vor allem die Europäische Zentralbank. Sollte sie den griechischen Instituten in den nächsten Tagen die letzte Nothilfe entziehen, dann wäre das Land einen großen Schritt weiter in Richtung „Grexit“. Denn auf einen Zusammenbruch des Bankensystems wird die Regierung aus eigener Kraft wahrscheinlich nur mit der Ausgabe einer Parallelwährung reagieren können. Allerdings hat die Notenbank in jüngster Zeit immer wieder erkennen lassen, dass sie nicht bereit ist, eine Entscheidung von solch großer politischer Tragweite zu übernehmen.

          Es wird also auf die Meinungsbildung in der Gruppe der Eurostaaten ankommen. An den grundlegenden Interessen der anderen 18 Länder hat sich durch das Referendum nichts geändert: Niemand will (viel) Geld verlieren, und niemand möchte der Tsipras-Truppe einen großen politischen Sieg bescheren. Letzteres gilt vor allem für die Regierungen, die zu Hause von ähnlichen Bewegungen bedrängt werden, wie etwa die in Spanien. Allerdings haben sich am Montag erste Haarrisse in dieser Front gezeigt. Während man in Berlin weiterhin Eigenleistungen der Griechen verlangte, war in Italien die Rede davon, dass das Regelwerk gedehnt werden müsse; offenbar traut Renzi der eigenen Position an den Finanzmärkten nicht. Was aus Frankreich zu hören war, klang etwas „deutscher“; die Bereitschaft zu einem Schuldenschnitt zeugt jedoch von allmählich wachsender Nervosität in Paris. Im Norden und Osten des Euroraums haben die Griechen schon lange die letzten Sympathien verspielt.

          Tsipras selbst hat seine Position nur innenpolitisch gestärkt. Er hat den radikalen Flügel seiner Partei fürs Erste bedient, und die Opposition kann sich kaum gegen den erklärten Volkswillen stellen. Gegenüber den Gläubigern hat er dagegen seine Vertrauenswürdigkeit endgültig verloren, daran ändert auch die Opferung seines rüden Finanzministers nichts. Andere Verbündete, vor allem zahlungsbereite, hat er nicht, sooft er auch in Moskau anrufen mag. Tsipras wollte einen Nervenkrieg, jetzt bekommt er ihn.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Bremst Corona die Fridays for Future Bewegung aus? Video-Seite öffnen

          Luisa Neubauer im Interview : Bremst Corona die Fridays for Future Bewegung aus?

          Inmitten steigender Corona-Zahlen geht „Fridays for Future“ nach langer Pandemie-Pause wieder auf die Straße. Warum die Entscheidung für die Streiks gefallen ist und was die die Klimabewegung aus der Corona-Krise mitnehmen will, erzählt die Klima-Aktivistin Luise Neubauer im Video. Das ganze Interview hören Sie im „F.A.Z. Podcast für Deutschland.“

          Topmeldungen

          Besucherinnen bei der Kampagnenveranstaltung Donald Trumps Mitte September in Phoenix.

          Wahlkampf in Amerika : Mein Latino, dein Latino

          Amerikas Demokraten haben im Wahlkampf Arizona, einst eine republikanische Bastion, im Visier. Der demographische Wandel ist auf ihrer Seite. Doch Donald Trump hält dagegen.
          Bas Dost traf für die Eintracht zum 2:0.

          3:1 bei Hertha BSC : Die starke Eintracht stürmt auf Platz eins

          Hertha BSC wollte den Schwung vom Auftaktsieg mitnehmen. Der Plan geht gewaltig nach hinten los. Frankfurt verliert zwar früh einen Spieler, nutzt aber die Torchancen – und steht vorerst an der Tabellenspitze.
          Pandemie in der Luft: Eine Flugbegleiterin auf einem Flug von Kairo nach Scharm al Scheich

          Reisewarnungen wegen Corona : Wie wird eine Region zum Risikogebiet?

          Das Auswärtige Amt tüftelt an den neuen Regeln für Reisen während der Corona-Pandemie. Einige Warnungen könnten wegfallen. Aber das ist kein Grund für allzu große Freude mit Blick auf Herbst- und Winterferien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.