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Klimagipfel in New York : Nur einer wagt die Thunberg-Schelte

Der französische Präsident Emmanuel Macron in New York Bild: AFP

Der Auftritt der schwedischen Moralistin in New York war ungerecht. Auch die Kritik, die derzeit auf die Bundesregierung einprasselt, ist ungerecht. Das alles ist aber nur ein harmloser Probelauf für die Konflikte, die noch kommen.

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          Wenigstens einer der Staats- und Regierungschefs, die sich in New York zum Klima-Sondergipfel der UN versammelt hatten, wagte es, sich gegen die wütende Standpauke Greta Thunbergs zu wehren. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Recht: Nicht die Staaten, die Klimaneutralität anstreben, sondern die Staaten, die einen solchen Weg mit aller Kraft blockieren, müssen sich von der schwedischen Moralistin fragen lassen: Wie könnt ihr es wagen?

          Macron hat dazu mehr Veranlassung als Deutschland, weil sich die Klimabilanz Frankreichs im Gegensatz zum Nachbarn im Osten durchaus sehen lässt. Umso mehr wird Macron aber Angela Merkel (und nicht nur ihr) aus dem Herzen gesprochen haben. Denn die Bundeskanzlerin macht die Erfahrung, wie es ist, wenn die eigene Politik aus einer Vorkämpferin eine Getriebene macht, die trotzdem gerecht behandelt werden will.

          Das Gipfeltreffen in New York sollte und wollte zwar keine Ergebnisse liefern. Aber die Botschaft des UN-Generalsekretärs und der Umweltorganisationen, die bei solchen Gelegenheiten mehr Autorität genießen als die Staaten, war doch eindeutig: Wenn sich die internationale Klimagemeinschaft im Dezember in Chile wieder zur Weltkonferenz trifft, wird es nicht nur darum gehen, die Einhaltung des Paris-Abkommens zu kontrollieren, sondern auch das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, für möglich und international verbindlich zu erklären. Das erfordert noch weit größere Anstrengungen als die in Paris vereinbarten und wird die Frage mit noch größerer Wucht aufwerfen, die sich jetzt schon stellt: ob die Mittel demokratischer Politik dafür überhaupt ausreichen.

          Deutschland durchläuft dafür derzeit einen (gemessen an den Konflikten, die noch kommen: harmlosen) Probelauf. In den vergangene Tagen prasselte die Kritik auf das Klimaschutzprogramm der Regierung nur so ein. Für die größten maßgeblichen Kritiker, die Grünen und die FDP, kommt eine Blockade aber nicht in Frage. Also werden auch sie mit Kompromissen leben müssen, die der Jugend so gar nicht passen.

          Niemand weiß im übrigen, am allerwenigsten die kompromisslosen Kritiker, ob der von der Koalition eingeschlagene Weg nicht doch der beste ist. Er gewährleistet nämlich eine handlungsfähige politische Mehrheit, die schwierige Entscheidungen überhaupt möglich macht. Diese Mehrheit ist nicht selbstverständlich.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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