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Grenzen : Freie Fahrt von Gibraltar zum Nordkap

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Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Skandinavien, wie hier am Rostocker Seehafen, fallen ab Sonntag weg. Bild: AP

Freie Fahrt von Gibraltar bis zum Nordkap: Bei einer Reise kreuz und quer durch Europa muss von diesem Sonntag an faktisch an keiner Ländergrenze mehr der Pass gezückt werden.

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          EU-Bürger können von diesem Sonntag an ohne Passkontrollen nach und durch Nordeuropa reisen. Mit dem Inkrafttreten des Schengen-Abkommens sind die bisherigen Passkontrollen für die drei EU-Länder Dänemark, Schweden und Finnland sowie für Norwegen und Island abgeschafft. Gleiches gilt für die 24 Millionen Nordländer bei Reisen mit dem Auto, Schiff, Flugzeug oder Fahrrad in die übrigen zehn Länder des Schengen-Raumes.

          Nach dem Schengener Abkommen entfielen bereits 1995 die Grenzkontrollen in Belgien,
          Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden. Später schlossen sich Spanien, Portugal, Italien, Österreich und zuletzt Griechenland an. Am Wochenende nun erweitert sich die kontrollfreie Staatengemeinde um die skandinavischen Länder. Norwegen und Island sind die ersten Länder außerhalb der EU, die Schengen beitreten.

          Offene Grenzen auch für organisierte Kriminalität

          Die Aufgaben ändern sich, Grenzer werden zu Fahndern. „Die Kontrollstellen hatten auch ihre Vorteile, hier musste jeder durch. Das hat beispielsweise Fahndungen für uns erleichtert“, sagt Volker Schlorke, Sprecher des Bundesgrenzschutzes (BGS) in Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt müssen sich die BGS-Leute noch mehr auf ihren siebten Sinn verlassen und gemeinsam mit den skandinavischen Nachbarn fahnden, ermitteln und aufklären. „Die organisierte Kriminalität wird durch die offenen Grenzen mit neuen Methoden arbeiten“, ist sich Schlorke sicher. Davor die Augen zu verschließen, wäre falsch.

          Experten werden deshalb künftig vor allem zur verstärkten Kontrolle auf See, in der Luft und im Hinterland gebraucht, sagt Gerd Slowy vom BGS in Sassnitz. Eine stärkere Bedeutung erhalte der 30-Kilometer-Korridor entlang der Seegrenze, in dem auch ohne Verdacht auf eine Straftat punktuell kontrolliert werden dürfe. In Sassnitz, wo der BGS allein fast 400 Straftäter aufgriff und anzeigte, setze man auf die bereits guten Kontakte zu den Kollegen am anderen Ufer, erklärt Slowy.

          Jährlich passieren nach BGS-Angaben rund vier Millionen Reisende die Grenzkontrollpunkte in Rostock und Sassnitz, mehr als drei Millionen von und nach Skandinavien. Für diese Passagiere verkürzten sich die Fahrzeiten über die Ostsee dank entfallender Passkontrollen.

          Für andere Länder weiter Kontrollpflicht

          Reisende ins Baltikum, nach Polen und Russland aber unterliegen weiterhin der Kontrollpflicht. Dem entsprechend gibt es ab dem Wochenende in den Fährhäfen so genannte Kontrollspuren mit und ohne symbolischen Schlagbaum. Die Polizei stellt sich auf anwachsende Touristenströme im Küstengebiet ein.

          Während die Grenzübergänge im Fährverkehr auf die Häfen beschränkt bleiben, führen ab Sonntag viele Wege übers Festland von Deutschland nach Dänemark und umgekehrt. Die acht offiziellen Übergänge in Schleswig-Holstein haben ausgedient. Die grüne Grenze darf ab dem Wochenende auch auf freiem Gelände überschritten werden. Seit Monaten lernen die Beamten der Landespolizei Dänisch. Vermeintliche Straftäter dürfen sie künftig bis ins dänische Hoheitsgebiet verfolgen, ebenso ist der dänischen Rigspoliti eine „unbegrenzte Nacheile“ nach Deutschland hinein gestattet.

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