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G-8-Proteste : Greenpeace-Ballon zur Landung gezwungen

  • Aktualisiert am

Der Ballon musste weit vor Heiligendamm landen Bild: AP

Nach nur zehn Minuten Fahrt ist ein Heißluftballon auf dem Weg nach Heiligendamm von Polizeihubschraubern abgefangen und zur Landung gezwungen worden. Hinter der Aktion steckt wieder die Umweltorganisation Greenpeace.

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          Die Umweltorganisation Greenpeace hat am Freitag eine weitere Protestaktion gestartet. Einen Tag nachdem mehrere Schlauchboote der Organisation in das abgesperrte Seegebiet vor Heiligendamm eingedrungen waren, stieg ein Heißluftballon von Greenpeace bei Rostock auf. An dem weißen Ballon prangte die Aufschrift „G8 - act now!“ (G8 - Handelt jetzt!) Die Aufschrift war mit dem Wort „failed“ (Gescheitert) quer überschrieben. Polizeihubschrauber hätten sich bei Lichtenhagen dem Ballon genähert und ihn durch die Luftwirbel dann zur Landung gezwungen, sagte eine Sprecherin der Organisation. Der Ballon musste nach nur zehn Minuten Fahrt noch außer Sichtweite des Gipfelgeländes landen. Die Polizei nahm zwei Aktivisten der Organisation in Gewahrsam und stellte den Ballon sicher.

          Er war nach Angaben von Greenpeace am Ortsrand von Evershagen gestartet und in Richtung des Tagungsortes Heiligendamm unterwegs. Der Luftraum über Heiligendamm ist weiträumig gesperrt.

          Vorwürfe an die Wasserschutzpolizei

          Ein Greenpeace-Sprecher bekräftigte die Kritik der Umweltschutzorganisation am Klima-Kompromiss der G-8-Staaten. Die Vereinbarungen seien „extrem dünn“, von einem Durchbruch könne keine Rede sein. „Das als Erfolg zu verkaufen, ist schon hart an der Grenze.“

          Greenpeace hält den G-8-Gipfel für gescheitert
          Greenpeace hält den G-8-Gipfel für gescheitert : Bild: AP

          Ein anderer Sprecher der Organisation warf der Wasserschutzpolizei vor, am Donnerstag mit ungewöhnlicher Härte und mangelndem Können gegen den Schlauchbootprotest vorgegangen zu sein. Die Protestaktion sei nicht fahrlässig gewesen und habe auch nicht mit einem Anschlag verwechselt werden können, da die Polizei kurz vorher über das Vorhaben informiert worden sei.

          Die sechs Verletzten von Greenpeace seien inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden und es gehe ihnen verhältnismäßig gut, sagte der Sprecher. Die Polizei hatte zwei Greenpeace-Boote gerammt und dabei eines überfahren. Mehrere Aktivisten gingen über Bord. (Siehe auch: G-8-Einsatz: Polizei am Ende ihrer Kräfte)

          Polizei bestätigt: Beamte eingeschleust

          Unterdessen hat die Polizei den Einsatz eines Beamten in Zivil während der Blockadeaktionen am Sicherheitszaun von Heiligendamm bestätigt. Der Mann habe aber nicht den Auftrag gehabt, Demonstranten zu Straftaten oder Störungen anzustiften, teilte die Polizei am Freitag mit. Er habe lediglich Informationen über die Planung und Begehung von gewalttätigen Aktionen sammeln sollen. Der Einsatz solcher zivilen Kräfte sei Bestandteil der Deeskalationsstrategie und diene ausschließlich der beweiskräftigen Feststellung von Gewalttätern.

          Der Zivilbeamte aus Bremen sei am Mittwoch in der Blockade an der Galopprennbahn eingesetzt worden, wo ihn Demonstranten aus dieser Region erkannt hätten, erklärte die Polizei. Er sei „angegriffen und gewaltsam aus der Menschenmenge gedrängt“ und verletzt worden. Dem Eingreifen friedlicher Globalisierungskritiker sei es zu verdanken gewesen, dass es nicht zu schwereren Verletzungen gekommen sei.

          Brandanschläge auf deutsche Autohäuser in Athen

          Möglicherweise im Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel in Deutschland sind in der Nacht zum Freitag in Athen drei Brandanschläge auf deutsche Einrichtungen verübt worden. Ziel waren nach Angaben der griechischen Polizei ein von einer deutschen Schule genutzter Bus sowie ein Opel- und ein Mercedes-Autohaus. Die Anschläge ereigneten sich im Abstand weniger Minuten. Mindestens fünf Autos wurden laut Angaben der Polizei schwer beschädigt.

          Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Die Polizei vermutet als Urheber aber anarchistische Gruppen, die damit gegen das Gipfeltreffen der G8 in Heiligendamm protestieren wollen.

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