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Granaten fliegen nach Russland : Grenzzwischenfall verschärft Ukraine-Krise

  • Aktualisiert am

Ukrainische Soldaten in der Region Donezk Bild: AP

Auf russischem Boden ist ein Russe von einer ukrainischen Granate getötet worden. Moskau droht mit „unwiderruflichen“ Konsequenzen.

          2 Min.

          Ein tödlicher Zwischenfall an der Grenze der Ukraine zu Russland hat die Spannungen zwischen den beiden Staaten verschärft. Nach dem Einschlag von Granaten auf russischer Seite des Grenzgebiets warnte das Außenministerium in Moskau die Ukraine vor „unwiderruflichen“ Konsequenzen. Bei dem Beschuss am Sonntagmorgen wurde den Angaben zufolge ein Russe getötet, als zwei aus der Ukraine abgefeuerte Granaten in Häuser der Region Rosotow einschlugen. Das russische Außenministerium werte den Vorfall als Aggression der Ukraine gegen russisches Hoheitsgebiet und die Bevölkerung der Russischen Föderation, hieß es in Moskau. Eine entsprechende Protestnote sei der Ukraine übergeben worden.

          Die Ukraine wies die Darstellung zurück. Zugleich legte sie nahe, der Beschuss könne auf die Separatisten zurückgehen, die eine Intervention Russlands provozieren wollten. Das wiederum wiesen die Separatisten zurück.

          Kiew: Haben „Epizentrum“ der Rebellen getroffen

          Mit einer Serie von Luftangriffen im Osten des Landes hatte die Regierung der Ukraine die Lage am Samstag abermals verschärft. Nach Militärangaben wurden dabei etwa tausend Separatisten getötet. Kampfjets hätten das „Epizentrum“ der Rebellen nahe der Grenze zu Russland getroffen, sagte ein Militärsprecher am Samstag. Insgesamt seien 16 Kampfeinsätze geflogen worden, um Stellungen der Rebellen zu bombardieren. Die Separatisten dementierten auch diese Darstellung. Sie hätten keine großen Verluste erlitten, teilten sie mit.

          Granateneinschlag in der Busstation von Lugansk Bilderstrecke

          Die Tötung von tausend Rebellen wäre mit Abstand die höchste Totenzahl im bisherigen Verlauf des Ukraine-Konflikts. Auch von Seiten der internationalen Gemeinschaft wurde auf die extrem hohe Opferzahl offenbar nicht ernstgenommen, denn es blieb jegliche Reaktion aus.

          Die Vorkommnisse des Wochenendes stellen gleichwohl eine dramatische Verschärfung der Krise dar. Die Vereinigten Staaten riefen den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko auf, Gespräche über eine Waffenruhe zu führen. Vize-Präsident Joe Biden habe am Samstag mit Poroschenko telefoniert und ihm Unterstützung bei seinen Bemühungen zugesagt, teilte das amerikanische Präsidialamt mit. Biden habe auch bekräftigt, dass Amerika den Druck auf die russische Regierung erhöhen würde, sollte diese nicht ihre Unterstützung für die prorussischen Rebellen einstellen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Poroschenko erst vor kurzem in einem Telefonat persönlich aufgerufen, die Verhältnismäßigkeit zu wahren und die Zivilbevölkerung zu schützen. Sie wollte sich noch am Sonntag vor dem Fußball-WM-Finale in Brasilien mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem Gespräch treffen.

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