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Globalisierungsgegner : Im „Touri-Style“ über die Grenze

  • -Aktualisiert am

Als Tourist getarnter Globalisierungsgegner? Bild: dpa

Das Internet ist die Informationsbörse für Gipfel-Demonstranten. Dort gibt es Tipps, wie die Grenzkontrollen überlistet werden können und was gegen Tränengas hilft.

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          An den Tagen vor dem großen G8-Gipfeltreffen in der italienischen Hafenstadt Genua aktualisiert die Protestinitiative de.indymedia.org den Info-Ticker beinahe stündlich. Immerzu werden die neuesten Informationen über gescheiterte oder geglückte Grenzkontrollen der Busse und Fahrrad-Karawanen auf dem Weg nach Italien veröffentlicht. Auch werden den Globalisierungsgegnern freie Unterkünfte, Infopunkte, Mitfahrgelegenheiten und günstige Reiseverbindungen über die Grenzen genannt, um die Demonstranten vor ihrer Ankunft in Genua mit allen nötigen Informationen auszustatten.

          Indymedia, ein unabhängiges und internationales Mediennetzwerk, ist in Genua auch real mit einem Independent Media Center vertreten. Es soll den Demonstranten die Möglichkeit geben, Video-, Audio- und Fotomaterial bearbeiten und sofort ins Netz stellen zu können. So ist auch der Rest der globalen Protestwelt stets auf dem neuesten Stand der Dinge.

          Gerüchte über Abschaltung der Mobilfunknetze

          Die Tipps im Online-Angebot von Aktionsinfo.de sind - wenigstens für die Überfahrt nach Italien - weitaus konkreter: Um nicht schon in der Schweiz von zivilen Polizisten aufgegriffen und wieder nach Hause geschickt zu werden, sollen sich die Protestierer auf der Überfahrt möglichst im „Touri-Style“ kleiden, damit eine Unterscheidung von anderen Ferienreisenden unmöglich wird. Auch wird auf den Internet-Seiten davor gewarnt, sich vor Ort nicht allein auf das Mobiltelefon als Kommunikationsmittel zu verlassen, da es Anzeichen für die Abschaltung der Mobilfunknetze während des Gipfeltreffens gebe.

          Auch die Berliner Seite Gipfelsturm.net versorgt die Nutzer mit Auskünften über „Pennplätze“, Verpflegungsstationen und ärztliche Hilfen rund um die „Rote Zone“, das abgeriegelte Areal des Gipfels um Kongresszentrum und Hafen. Empfohlen wird ein „Sicherheits-Check“ für Ausrüstung und Kleidung der Demonstranten. Als angemessene „Kampfausrüstung“ gelten für die Gipfelstürmer komfortable Schuhe, die gesamte Haut überdeckende Kleidung, Augenschutz und trockene Tücher gegen Tränengas. Handschuhe für den Umgang mit heißen Tränengaspatronen und ein Sack frischer Kleidung sollten auch nicht fehlen, um sich nach dem Kontakt mit Wasserwerfern oder Tränengas umziehen zu können. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, empfiehlt Gipfelsturm, ein Erste-Hilfe-Set mitzunehmen mit Mullbinden, Pflaster, Schmerztabletten und alkoholbasierte Sonnencreme - in ölbasierter könne sich Tränengas anreichern, heißt es in den Tipps.

          PDS-Büro als Hauptquartier

          Fast ausschließlich mit realen Vorbereitungen stimmte sich dagegen das „Berliner Bündnis gegen den Weltwirtschaftsgipfel in Genua“ für die großen Proteste in Italien ein. Das Bündnis, das sein Hauptquartier in Büros der Berliner PDS untergebracht hat und sich aus verschiedenen Initiativen wie Attac, Linksruck, Euromarsch und Privatpersonen eigens für den Gipfel zusammenschloss, veranstaltete am Sonntag in Berlin-Kreuzberg ein „Training für Proteste des zivilen Ungehorsams“. Das von der PDS mitfinanzierte Bündnis gab den Demonstranten vor ihrer Reise einen Überblick über die „Infrastruktur der Gegenaktionen in Genua“. Auf die Frage, was während der aktiven Proteste unverzichtbar sei, antwortete eine Sprecherin des Bündnisses knapp: Nahrung, Flüssigkeit und Erste Hilfe.

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