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Global Hawk : Die goldene Ära der Drohnen

Unbemannt: Der Global Hawk kann bis zu 32 Stunden in der Luft bleiben Bild: Foto Busse

In North Dakota sitzen die Piloten, die per Computer Aufklärungsflugzeuge in Kriegsgebieten steuern. Über die deutsche Euro-Hawk-Debatte schüttelt man dort den Kopf. Auch die Nato will das System nun anschaffen.

          Wer wissen will, wie heute und künftig Kriege geführt werden, muss in den weiten, kalten Norden der Vereinigten Staaten fahren. In Grand Forks, einem Städtchen im Bundesstaat North Dakota, liegt ein ganz besonderer Luftwaffenstützpunkt. Flugzeuge, die eine leibhaftige Besatzung haben, gibt es hier nur noch auf der Zufahrtsstraße zu sehen. Vor dem Eingangstor stehen ein paar jener legendären Hubschrauber, Kampfjets und Bomber, die Hollywood in der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Sie sind ausgestellt wie in einem Museum, denn mit dem, was hier täglich geschieht, haben sie nichts mehr zu tun. Auf dem Stützpunkt, der früher Tankflugzeuge beheimatete, sind seit ein paar Jahren ausschließlich Drohnen stationiert.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          „Was sie hier sehen, ist die Zukunft der Luftfahrt“, sagt Oberst Lawrence Spinetta zur Begrüßung. Der Offizier ist in seinen Vierzigern, wirkt sportlich und jugendlich und gehört doch schon zum alten Eisen. Spinetta ist seit zwanzig Jahren bei der amerikanischen Luftwaffe, er hat die F-15 geflogen, einen jener wendigen Jagdbomber, die für den Kampf gegen sowjetische MiGs gebaut wurden. Das war noch Mann gegen Mann. Heute befehligt er eine Flotte von unbemannten Aufklärungsflugzeugen, die mit seinem alten Flugzeug ungefähr so viel gemein haben wie ein Tabletcomputer mit einer mechanischen Schreibmaschine. „Das hätte ich mir nicht vorstellen können, als ich auf der Luftwaffenakademie war“, sagt er.

          Global Hawk heißt das Flugzeug, das Spinetta untersteht, und es ist ein gewaltiges Gerät: Seine Spannweite ist größer als die einer Boeing 737, und es fliegt in einer Höhe von 60.000 Fuß (etwa 18.000 Metern), weit über jedem Passagierflugzeug. Es kann bis zu 32 Stunden in der Luft bleiben, was ausreicht, um von Grand Forks nach Südamerika und zurück zu gelangen. Da Global Hawks auch in Kalifornien, Italien und auf Guam stationiert sind, kann das amerikanische Militär praktisch jeden Kontinent abdecken. In all den Kriegen der vergangenen Jahre, vom Irak bis Afghanistan, haben diese Flugzeuge die kämpfende Truppe mit Aufklärungsmaterial unterstützt.

          Selbst einzelne Menschen kann man erkennen

          Das wichtigste Merkmal des Global Hawk ist natürlich, dass er keinen Piloten an Bord hat. Nur so sind überhaupt Einsätze möglich, die länger als einen Tag dauern. In einem herkömmlichen Cockpit muss der Pilot nach ein paar Stunden abgelöst werden. Der Global Hawk wird nie müde, die Piloten sitzen in der Heimatbasis und wechseln sich nach einer Schicht einfach ab. Mit dem Traum vom Fliegen und der Freiheit über den Wolken hat der Alltag dieser „Besatzungen“ denn auch nicht mehr viel zu tun. Ein Global Hawk wird von einem Kommandostand aus gesteuert, der aussieht wie ein Computerraum in einem x-beliebigen Unternehmen. Der Pilot sitzt an einem PC-Arbeitsplatz, wie es ihn in jedem Büro gibt. Er hat zwei Bildschirme vor sich. Links sind ein paar Fluginstrumente nachgebildet, rechts sieht er das Flugzeug auf einer Landkarte. Gestartet wird mit einem Mausklick, der Global Hawk macht danach alles vollautomatisch - aufsteigen, an den Einsatzort fliegen, zurückkehren, landen. Der Pilot kann den Kurs ändern, wenn es sein muss, aber in der Regel wird eine programmierte Route abgeflogen.

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