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Giordano-Bruno-Stiftung : Die Agenda des Neuen Atheismus

Zu Ehren Darwins: Michael Schmidt-Salomon, ein wichtiger Funktionär der Giordano-Bruno-Stiftung Bild: Wolfgang Eilmes / F.A.Z.

Ein „Evolutionsfeiertag“ solle Christi Himmelfahrt ersetzen, fordert die Giordano-Bruno-Stiftung anlässlich des Darwin-Jahres 2009. Die Stiftung im Hunsrück vermarktet den Unglauben. Die organisierte Konfessionslosigkeit zieht es in den öffentlichen Raum.

          Deutschland soll feiern, dass es vom Affen abstammt. Ein „Evolutionsfeiertag“ solle Christi Himmelfahrt ersetzen, fordert die Giordano-Bruno-Stiftung anlässlich des Darwin-Jahres 2009. Der Staat, fordert die Bruno-Stiftung, müsse die Konfessionslosen, deren Zahl die der Katholiken oder Protestanten in Deutschland übersteige, bei den Feiertagen gleichberechtigt berücksichtigen. Christi Himmelfahrt per Gesetz durch den Evolutionsfeiertag zu ersetzen sei ein - wohlgemerkt: erster - Schritt in diese Richtung.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die organisierte Konfessionslosigkeit zieht es in den öffentlichen Raum. Zunächst konnte man noch den Eindruck gewinnen, beim „Neuen Atheismus“ handele sich um ein publizistisches Phänomen, angestoßen durch seinen prominentesten Autor, den Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Der hatte 2005 den Bestseller „Gotteswahn“ geschrieben, der in 31 Sprachen übersetzt worden ist und dem Verfasser ein Vermögen einbrachte. Parallel zum publizistischen Erfolg etabliert sich indes seit etwa fünf Jahren vor allem in Deutschland ein organisierter Atheismus neuen Zuschnitts: Er besteht aus einem Geflecht voneinander abhängiger Organisationen und tritt mit dem Anspruch auf, mindestens 25 Millionen Deutsche zu vertreten.

          Die Neu-Atheisten und die Evolution

          Im Zentrum der Aktivitäten steht die Giordano-Bruno-Stiftung mit Sitz in Mastershausen im Hunsrück, deren Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon ist. Schmidt-Salomon, der sich gerne als Philosoph bezeichnet, hat lange genug auch Medienwissenschaften studiert, um zu verinnerlichen, dass der Markt der Weltanschauungen kein Oberseminar ist. Das Feld beherrscht, wer die Begriffe bestimmt - und auf die legt Schmidt-Salomon großen Wert: „Neuer Atheismus“ etwa hört er nicht gern, er selbst spricht von der Bewegung des „Neuen Humanismus“. Man vertrete auch nicht Konfessionslose, sondern „Konfessionsfreie“. Möglichst viele Menschen sollen eingemeindet werden in die naturalistische Weltanschauung, und frei in seiner Konfession, wird suggeriert, sei vorrangig derjenige, der keine hat.

          Busaufschrift in Barcelona: „Wahrscheinlich gibt es Gott nicht. Höre auf, dir Sorgen zu machen, und genieße das Leben.”

          In diesem Jahr ist es allem voran die Evolution, die es den Neu-Atheisten angetan hat. Charles Darwin ist am 12. Februar geboren - und ihn zählt man wie selbstverständlich zur eigenen Bewegung. Darwin durfte - ein naturalistisches Wunder - auch selbst an seinem 200. Geburtstag teilnehmen, den die Giordano-Bruno-Stiftung für ihn ausrichtete. Dass er beim Geburtstags-Event in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt nicht aus der mannshohen Plastik-Torte auf der Bühne hervorsprang, blieb die eigentliche Überraschung der Veranstaltung. Man beließ es dabei, einen Schauspieler in der Rolle des bärtigen Darwin eine Rede halten zu lassen. Zum äußerlichen gesellt sich der inhaltliche Darwin-Klamauk: Vor der Einspielung des Musikvideos zum Darwin-Song „Children of the Evolution“ wird der „Darwin-Code“ vorgestellt. Die Autoren des Buches deklinieren die Evolutionstheorie bis in die Grundfragen der Lebensführung herab: Was dürfen wir nicht mehr glauben? Was sollen wir essen? Wie können wir es treiben? - es soll eine fröhliche Wissenschaft sein.

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