https://www.faz.net/-gpf-tnyx

Gewalt : Mexikanische Provinzhauptstadt Oaxaca versinkt in Anarchie

  • Aktualisiert am

Früher ein Touristenziel: Krawalle in Oaxaca Bild: dpa

Das Ausmaß der Gewalt läßt kaum glauben, daß ein Lehrerstreik gegen den als korrupt geltenden Gouverneur ihr Ausgangspunkt war. Inzwischen herrscht in der mexikanischen Provinzhauptstadt Oaxaca Anarchie. Bei jüngsten Unruhen starben drei Menschen.

          1 Min.

          Nach blutigen Unruhen im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca hat Präsident Vincente Fox Soldaten in die gleichnamige Hauptstadt der Region geschickt. „Die Ereignisse vom Vortag haben gegen die Ordnung und den Frieden der Bürger von Oaxaca verstoßen“, kündigte Fox am Samstagmorgen an. Deshalb ordne er angesichts des seit fünf Monaten andauernden Konflikts in Oaxaca die Entsendung von Soldaten an.

          Bei Schießereien in der von Aufständischen besetzten mexikanischen Stadt sind drei Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Unter den Toten ist auch ein Journalist aus den Vereinigten Staaten. Der 36 Jahre alte New Yorker Bradley Roland Will, der für den Internet-Nachrichtendienst indymedia.org über die Lage in Oaxaca berichtete, wurde im Bauch getroffen und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

          Die Schüsse am Freitag fielen, als bewaffnete Personen eine Straßensperre beseitigen wollten, die von den linksgerichteten Rebellen errichtet wurde. Auch vor dem Sitz der Staatsanwaltschaft von Oaxaca gab es ein Feuergefecht, dabei wurden drei Menschen verletzt. Staatsanwältin Lizbeth Cana machte die Aufständischen für die Gewalt verantwortlich.

          Für einen getroffenen Journalisten kommt jede Hilfe zu spät
          Für einen getroffenen Journalisten kommt jede Hilfe zu spät : Bild: REUTERS

          Bisher schon neun Tote

          Bei den bewaffneten Gegnern handle es sich um aufgebrachte Bewohner der Stadt. Die Rebellen beschuldigten hingegen Gouverneur Ulises Ruiz, die Bewaffneten in die Stadt geschickt zu haben. „Ulises Ruiz versucht, unsere Leute zu massakrieren“, sagte Antonio Garcia aus dem Lager der Aufständischen.

          Die Aufständischen verstärkten am Freitag ihre Straßensperren, nachdem die Lehrer des Bundeslands in einer Abstimmung ein Ende ihres vor fünf Monaten beschlossenen Streiks beschlossen hatten. Der Lehrerstreik war Ausgangspunkt des Aufstands gegen die Regierung von Oaxaca, in dem bisher mindestens neun Menschen ums Leben kamen. Anhänger linksgerichteter und anarchistischer Gruppen haben in Stadt im Süden Mexikos Rundfunkgebäude und Zeitungsverlage besetzt sowie die Polizei aus der Stadt vertrieben. Ihre Hauptforderung ist die Ablösung von Gouverneurs Ruiz, was die Bundesregierung in Mexiko-Stadt abgelehnt hat.

          Der scheidende mexikanische Präsident Vicente Fox hat angekündigt, die Krise in Oaxaca noch vor dem Ende seiner Amtszeit Anfang Dezember lösen zu wollen. Eine Verhandlungslösung ist bislang jedoch nicht gelungen. Oaxaca gehört zu den ärmsten Bundesstaaten Mexikos. Die wegen ihrer Kolonialarchitektur bekannte gleichnamige Regionalhauptstadt Oaxaca lockte bislang viele Touristen an, die jedoch wegen der monatelangen Unruhen nunmehr vielfach wegbleiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Damals, im April, die erste Sitzung des Ausschusses im Großen Festsaal im Rathaus von Hamburg

          Cum-ex-Affäre : Staatsanwältin kritisiert Hamburger Behörden

          Im Untersuchungsausschuss zur Cum-ex-Affäre zeigt eine Staatsanwältin wenig Verständnis für das Verhalten der Hamburger Behörden. Eine Frage wird immer dringlicher: Gab es eine politische Einflussnahme?
          Ein Ziel des Umbaus: mehr Chancen für Kinder und Jugendliche

          Bürgergeld : Wer steuert den Umbau von Hartz IV?

          Die FDP feiert das neue Bürgergeld als Modernisierung des Sozialstaats. Bei der Frage, wer sie gestalten soll, kommt die ehemalige Arbeitsministerin Andrea Nahles ins Spiel.

          Reaktion auf Vorwürfe : „Keine Manipulation bei Inzidenzzahlen“

          Die bayerische Staatsregierung ist dem Eindruck entgegengetreten, sie arbeite mit verzerrten Inzidenzzahlen bei Geimpften und Ungeimpften. Die zuständige Behörde kenne den Impfstatus von Infizierten oft nicht, hieß es in einem Medienbericht.