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Gewalt im Flüchtlingsheim : Die Schattenseite der Migration

Die Landesregierung in Düsseldorf hätte wissen müssen, dass es in Unterkünften für Flüchtlinge zu Gewaltausbrüchen kommen kann – Bürokratismus nützt nun ebensowenig wie Romantik.

          Es wird den Wachleuten von Burbach nicht mehr helfen, dass sie auf Zustände in dem Flüchtlingslager hinweisen, die nicht in das populäre Bild der Not passen, die Asylbewerber zu ertragen haben. In den Sammelunterkünften der Länder trifft nicht nur das Elend der Welt aufeinander. Es leben auch deren Konflikte fort und äußert sich die Qual, die eine Flucht mit sich bringt. In den Unterkünften sammelt sich deshalb auch die Tragik gescheiterter Existenzen. Dazu gehören Alkohol, Gewalt, Drogen, religiöser und ethnischer Hass.

          Die Leute, die dagegen sind, Deutschland zum „Weltsozialamt“ zu machen, schlachten diese Seite des Elends gern für ihre Zwecke aus. Man sollte ihnen nicht den Gefallen tun, die Schattenseite der Flüchtlingsströme gerade deshalb zu ignorieren. Genau das aber geschieht viel zu oft.

          Die Wachleute, denen unmenschliches und sadistisches Verhalten gegenüber Flüchtlingen vorgeworfen wird, werden sich als Opfer dieser Ignoranz darstellen. Ganz zu Unrecht tun sie das nicht. Die Landesregierung in Düsseldorf wusste genau, dass es in Sammelunterkünften, in denen Hunderte Flüchtlinge aus einander fremden Kulturen leben müssen, zu Gewalt und Hassausbrüchen kommt – zum Beispiel zwischen Islamisten und Christen.

          Politische Ignoranz ist nur eine Variante

          Angesichts solcher Spannungen die Sicherheit von Auffanglagern privaten Subunternehmen zu überlassen, deren Bedienstete nicht gerade für Streitschlichtung ausgebildet sind, ist ein Ausdruck des Nicht-wahrhaben-Wollens. Auf Wachleute sollte diese Form der Verantwortungslosigkeit nicht abgeladen werden, mögen sie auch noch so unangemessen reagiert haben. In der Vermutung, es handele sich um Leute mit „rechtem“ Hintergrund, äußert sich wenigstens ein Rest schlechten politischen Gewissens.

          Die politische Ignoranz gegenüber der Schattenseite von Flüchtlingen und Asylbewerbern ist allerdings nur eine Variante der Ignoranz gegenüber den Schattenseiten von Migration. Auch hierfür ist Nordrhein-Westfalen ein gutes Beispiel. Unter den Augen von „Sozialarbeitern“ wuchsen hier in aller Ruhe Dschihadisten für den Kampf in Syrien heran. Deren Unwesen durch das deutsche Passgesetz eindämmen zu wollen ist eine besonders typische unter den deutschen Methoden. Sie schwanken wieder einmal zwischen Romantik und Bürokratismus.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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