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Gesundheit : Regierung will Internet-Apotheken zulassen

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Bundesregierung will Versandhandel erlauben Bild: dpa

Die Bundesregierung will den Vertrieb von Medikamenten per Internet zulassen. Apothekerverbände protestieren.

          1 Min.

          Die Bundesregierung will den Versandhandel mit Medikamenten zulassen. Eine Konzeption dafür soll nach der Wahl erarbeitet werden, kündigte die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Gudrun Schaich-Walch (SPD), an.

          Im Frühjahr 2003 werde ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs darüber erwartet, ob das seit 1998 geltende Verbot des Versandhandels in Deutschland zulässig ist. Die Bundesregierung wolle dem Urteil zuvorkommen und den Wettbewerb im Medikamentenvertrieb so regeln, dass die „Präsenzapotheken“ nicht gefährdet würden. Schaich-Walch geht davon aus, dass etwa 8 Prozent der Patienten den Versandhandel nutzen werden. Durch die Zulassung der Internet-Apotheke könne die Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung verbessert werden.

          Apotheker mobilisieren ihre Kunden

          Apothekerverbände lehnen die Pläne ab. Mit einer Unterschriftenaktion protestierten sie gegen die Freigabe des Versandhandels. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sammelte nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Monaten 7,7 Millionen Unterschriften für ihre Aktion „Pro Apotheke“. Am Mittwoch wurden sie Schaich-Walch in Berlin übergeben.

          ABDA-Präsident Hans-Günther Friese nannte den Versandhandel „das Trojanische Pferd der Systemveränderer“. Er warnte davor, das sich die flächendeckende Rund-um-die-Uhr-Versorgung der Patienten bei gleichen Kosten nicht mehr aufrecht erhalten lasse.

          Kommt die Apotheken-Kette?

          Die Apotheker fürchten, dass eine Zulassung des Versandhandels die Struktur der Branche mit knapp 21.500 Apotheken gefährden könnte. Durch die Gewinneinbußen könnten viele Apotheken in ihrer Existenz gefährdet sein, warnen die Verbände. Dies wiederum gehe letztlich zu Lasten der Patienten.

          Mit einer Zulassung des Versandhandels könne auch das so genannte Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheken fallen, fürchten die Apothekerverbände. Kettenapotheken seien dann die Folge, die Qualität der Versorgung nicht mehr gewährleistet.

          Krankenkasse klagt

          Die Kaufmännische Krankenkasse Hannover (KKH) streitet als erste Ersatzkasse rechtlich für die Internet-Apotheke. Sie reichte Klage gegen ein Sofortverbot des Bundesversicherungsamtes ein, die Kosten für Medikamente aus dem Versandhandel zu übernehmen. Die KKH rechnet damit, jährlich zehn Millionen Euro sparen zu können.

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