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: Geschmückt mit Fotos des Fußballers Ahmadineschad

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BEIRUT, 21. Juli. Die beiden jungen Frauen werfen einen Blick auf die mit Schutt übersäten Straßen und auf die zerstörten Fassaden von Hareit Hreik, bevor sie in das Wohnhaus rennen. Dahlia und Faten Chahafadin, beide Apothekerinnen, ...

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          BEIRUT, 21. Juli. Die beiden jungen Frauen werfen einen Blick auf die mit Schutt übersäten Straßen und auf die zerstörten Fassaden von Hareit Hreik, bevor sie in das Wohnhaus rennen. Dahlia und Faten Chahafadin, beide Apothekerinnen, gekleidet in Jeans und T-Shirt, haben seit dem Beginn der Bombardierung von Beiruts schiitischen Vierteln Zuflucht bei ihrer Schwester gesucht, die am Rand von Verdun wohnt, einem christlichen Viertel von Beirut. Sie sind nur gekommen, um zwischen zwei Angriffen einige Sachen abzuholen.

          Das Schloß der Wohnungstür geht nicht auf. Ein junger Mann, der die jungen Frauen begleitet, schiebt sie zur Seite und stößt die Tür mit der Schulter auf. Die Räume sind von Glassplittern übersät. Die Fenster und ihre Rahmen sind von der Druckwelle jener israelischen Bomben, die fast ohne Unterlaß seit acht Tagen auf das Viertel fallen, in das Innere des Raumes geschleudert worden. Ohne Zeit zu verlieren, füllen die Frauen einige Koffer mit Kleidern. "Macht schnell", drängt der junge Mann. "Man hört schon wieder die Flugzeuge, die Bombardierungen können jederzeit wieder anfangen."

          Der höfliche Mann mit einem kurzgeschnittenen Bart will seinen Namen nicht nennen. Er erklärt nur, er sei hiergeblieben, "um das verlassene Viertel zu überwachen". Junge Leute wie er tauchen wie durch ein Wunder auf, sobald man sich in die verlassenen Straßen von Hareit Hreik wagt. Üblicherweise wollen sie einen Ausweis sehen und fordern die Eindringlinge dann auf, das Viertel wieder zu verlassen. Das "Sicherheitsdreieck", ein von Gittern umzäunter Häuserblock, der der Hizbullah als Hauptquartier dient, liegt einige Straßen weiter. In der vorherigen Nacht haben Bomben mit großer Sprengkraft diesen Komplex in einen Haufen rauchender Trümmer verwandelt. Es war ein Versuch, den Generalsekretär der Hizbullah, Scheich Hassan Nasrallah, zu töten, von dem die Israelis offenbar annehmen, daß er immer noch in den Kellern des Gebäudes versteckt sei. "Die Israelis können soviel bombardieren, wie sie wollen, sie werden nicht mehr erreichen als Zerstörung", sagt der junge Mann und läuft mit den zwei Frauen in Richtung der ruhigeren Stadtviertel weg.

          Am zehnten Tag der israelischen Offensive gegen die Hizbullah ist die libanesische Hauptstadt in diesem neuartigen Krieg nach einer kuriosen Geographie aufgeteilt. Die Luftangriffe gegen eine perfekt organisierte Bewegung, die sich mitten im Herzen von Beirut eingenistet hat, scheint der Hizbullah nicht wirklich schwere Schläge zugefügt zu haben. Die schiitische Vorstadt Hareit Hreik, ein Viereck mit einem Kilometer Seitenlänge westlich der Straße, die zum Flughafen führt, besteht aus hohen, modernen Gebäuden. Die Balkone sind mit Vorhängen verkleidet, die von einem Gewirr elektrischer Kabel fast verdeckt werden. Das Viertel liegt fast gänzlich in Ruinen. In dieser Zone ist das Ausmaß der Zerstörung erschreckend. Ehemals neunstöckige Gebäude sind nur noch Steinhaufen. Die Straßen sind von Bauschutt bedeckt, der von weißem feinen Staub überzogen ist.

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