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Bedeutung der Hohenzollern : Eine unerledigte Affäre

  • -Aktualisiert am

„Unser Kaiser mit seinen Söhnen“: Wilhelm II. mit der nächsten Hohenzollern-Generation im Jahr 1907 in Berlin Bild: Picture-Alliance

Auch die ganz überwiegend negative Bilanz einer Dynastie bedeutet nicht, dass diese Dynastie irrelevant war: Über die Hohenzollern und die jüngste deutsche Geschichte. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Vor gut zwanzig Jahren ließ Peter Schamoni in „Majestät brauchen Sonne“ den letzten deutschen Kaiser als Filmstar auferstehen. Die kommerziell erfolgreiche Dokumentation, die der umfassenden Medienpräsenz Wilhelms II. ein Denkmal setzte, endete mit einer frappierenden Szene im seinerzeitigen Jetzt: Ein Museumsführer in Huis Doorn, dem Exilort Wilhelms, zeigt Besuchern einen für Genanalysen verwendeten Backenzahn des Monarchen mit der Bemerkung, hieraus ließe sich vielleicht einmal der Kaiser klonen.

          Auch heute wird die Idee eines kaiserlichen Klons nicht einmal eingefleischte Monarchisten begeistern. Aber ganz so abwegig ist die Vorstellung nicht. In verschiedensten Gestalten und erstaunlicher Intensität haben Hohenzollern’sche Wiedergänger die deutschen Debatten und Feuilletons in den vergangenen anderthalb Jahren belebt und heimgesucht. Mit der Fertigstellung des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum ist dieses merkwürdige Revival unübersehbar. Der Streit um das, was der Familie der Hohenzollern an Besitz und kulturpolitischem Einfluss zustehen soll, ist öffentlich eskaliert. Als Seitenstrang der Debatte nahm die Westfälische Wilhelms-Universität Münster ihren Namen kritisch unter die Lupe – mit noch offenem Ausgang. Und schließlich stellten Gutachter die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, eine der größten Museumseinrichtungen in Europa, in ihrer heutigen Form in Frage. Konkreter Anlass waren nicht die Hohenzollern, aber das, was als organisatorisches Problem der Stiftung angeprangert wird, verweist auf Preußen und die Hohenzollern. Die Stiftung verwaltet gewissermaßen die noch aus dem Wasser ragenden Überreste eines Atlantis, das 1947 je nach Lesart im Meer versunken ist oder versenkt wurde. Ohne diesen Unterbau ist sie kaum als etwas Zusammenhängendes zu verstehen.

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