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Überfall auf Griechenland : Der lange Schatten des Krieges

Deutsche Fallschirmjäger um 1941 vor dem Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen Bild: Picture-Alliance

Vor 80 Jahren begann der deutsche Angriff auf Griechenland und Jugoslawien. Er dauerte nur wenige Wochen – und ist weiter Anlass für Reparationsforderungen.

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          Pünktlich zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf Griechenland vor achtzig Jahren hat die griechische Regierung ihrer Forderung nach Reparationszahlungen Nachdruck verliehen. Die Frage nach Entschädigungen für die Besatzungszeit bleibe „offen“, bis die griechischen Forderungen erfüllt seien, hieß es dazu aus dem Außenministerium. In dieser Frage sind sich seit Jahrzehnten alle griechischen Regierungen einig: Deutschland soll zahlen für die grausame Okkupation des Landes zwischen 1941 und 1944.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Zur Regierungszeit von Alexis Tsipras und dessen „Bündnis der radikalen Linken“ hatte Athen die Forderungen an Deutschland auf knapp 280 Milliarden Euro beziffert. Der seit 2019 regierende konservative Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis rückt Entschädigungsforderungen zwar weniger in den Mittelpunkt seiner Politik, hält aber wie alle seine Vorgänger in der Nachkriegszeit prinzipiell daran fest.

          Der Balkan sollte Rohstoffe liefern

          So spielen die Folgen des Angriffs der Wehrmacht auf Griechenland vom 6. April 1941 auch nach acht Jahrzehnten noch eine Rolle in den deutsch-griechischen Beziehungen. Wie kam es überhaupt zum Krieg zwischen Deutschland und Griechenland?

          So seltsam es klingt: Adolf Hitler wollte einen Angriff auf Griechenland eigentlich vermeiden. Dass Hitler in Südosteuropa Frieden wollte, mag überraschend klingen, ist bei näherer Betrachtung aber durchaus plausibel. Der Balkan spielte in Berlins Plänen zwar als Rohstofflieferant für die deutsche Kriegswirtschaft eine Rolle, doch eine Besatzung war nicht vorgesehen, da der deutsche Diktator eine Verzettelung der Kräfte vermeiden wollte. Militärisch sollten alle Ressourcen für die geplante Vernichtung der Sowjetunion gebündelt werden.

          Vormarsch der Wehrmacht in Griechenland im Mai 1941
          Vormarsch der Wehrmacht in Griechenland im Mai 1941 : Bild: Picture-Alliance

          Dass es dennoch zum Krieg auf dem Balkan kam, hatte mit Italien zu tun, dem engsten Verbündeten des Dritten Reiches. Am 28. Oktober 1940 hatte Benito Mussolini aus Albanien heraus, wo Italien sich bereits festgesetzt hatte, gegen ausdrückliche Warnungen aus Berlin den Angriff auf Griechenland befohlen. Doch Mussolini wollte nicht länger im Schatten seines militärisch überaus erfolgreichen Achsenpartners stehen, er dürstete nach eigenen Eroberungen. Griechenland sollte ein leichtes Opfer sein.

          Schon bald nach dem Angriff zeigte sich aber, dass die italienischen Streitkräfte überfordert waren mit einem Feldzug. Der italienische Angriff lief sich fest, die Griechen gingen sogar zum Gegenangriff über. Es drohte ein Debakel.

          Die Schwäche der italienischen Armee auf allen Schlachtfeldern hatte nicht nur mit veralteten Führungsmethoden zu tun, sondern auch mit dem schlechten Zustand von Italiens Rüstungsbetrieben, wie Hans Woller in seinem Buch „Mussolini. Der erste Faschist“ ausführt: „Diese schwerfälligen, technologisch rückständigen und nur am sicheren Profit interessierten Betriebe behaupteten in ihren Sparten Monopolstellungen, so dass sie es sich leisten konnten, schlechte Waren mit Verspätung zu völlig überzogenen Preisen zu liefern.“

          Auch der amerikanische Historiker MacGregor Knox stellt fest, Italiens Industrie habe „die ineffizientesten, die teuersten und die wenigsten Waffen von allen bedeutenderen Teilnehmern am Zweiten Weltkrieg“ hergestellt.

          Großbritannien verlegte Luftwaffeneinheiten

          Für Hitlers Pläne war das Debakel der Italiener aber nicht nur gefährlich, weil es das Prestige der Achsenmächte gefährdete. Eine viel handfestere Gefahr lag darin, dass Großbritannien zur Unterstützung des griechischen Abwehrkampfes ein Expeditionskorps samt Luftwaffeneinheiten nach Griechenland verlegt hatte.

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