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Stalin-Noten 1952 : Moskaus vergiftetes Angebot

Josef Stalin an seinem Schreibtisch im Kreml auf einem Foto, herausgegeben im Februar 1950 Bild: AP

Im März 1952 schlägt der sowjetische Diktator Josef Stalin den drei Westmächten vor, die Besatzungszonen Deutschlands zu einem neutralen Staat zu formen. Selbstlos ist die Offerte nicht. Teil fünf unserer Serie „Stationen – Deutschland seit 1945“.

          3 Min.

          Wir schreiben das Jahr 1952. In ihrem Machtbereich hat die Sowjetunion längst begonnen, sich von feierlichen Versprechungen der unmittelbaren Nachkriegszeit zu verabschieden. Nichtkommunistische Parteien spielen schon lange keine Rolle mehr. Mittlerweile werden sogar loyale Kommunisten, stramme Anhänger Stalins, mit absurden Vorwürfen überzogen und in Schauprozessen oft zum Tode verurteilt. Das ist ein Kennzeichen der späten Stalinzeit. Und diesem Stalin soll man nun vertrauen? Eine Antwort auf diese Frage mussten die drei westlichen Alliierten und die Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer im März 1952 finden. Die Alliierten hatten aus Moskau eine diplomatische Note erhalten. Darin bot Stalin an, die Besatzungszonen Deutschlands zu einem Staat in den auf der Potsdamer Konferenz 1945 festgelegten Grenzen zu vereinen. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass das vereinigte Deutschland neutral bleiben müsse. Die ausländischen Truppen sollten abziehen. Deutschland solle nationale Streitkräfte zur Landesverteidigung aufbauen dürfen. Antidemokratische Organisationen sollten verboten werden, die demokratischen Rechte garantiert sein.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Die Alliierten antworteten nach zwei Wochen in Übereinstimmung mit der Bundesregierung, ohne freie Wahlen in Gesamtdeutschland seien die sowjetischen Vorschläge nicht annehmbar. Die sowjetische Reaktion ging auf diesen Aspekt ein. Moskau bestand allerdings darauf, dass diese Wahlen nicht unter der Kontrolle der Vereinten Nationen stattfinden dürften. Vielmehr sollten die vier Besatzungsmächte den Urnengang beaufsichtigen. Die zweite westliche Antwort, mit der die Initiative schließlich im Sande verlief, besagte, ein Friedensvertrag könne erst dann geschlossen werden, wenn nach kontrollierten freien Wahlen eine gesamtdeutsche Regierung entstanden sei. Diese Regierung müsse dann frei sein, über Koalitions-, Integrations- und Grenzfragen zu entscheiden.

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