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Mauerfall : Unsere Geschichte

Schlangestehen in Dresden 1981 Bild: Barbara Klemm

In der Nacht des Mauerfalls haben Menschen im Osten gefeiert. Andere sind früh ins Bett gegangen. Da war die Freude, da waren aber auch die Sorgen. Eine Geschichte über Neonazis, Arbeitslosigkeit und das Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz.

          7 Min.

          Als der Trabant aufgebockt auf dem Hof stand, muss etwas mit mir passiert sein. Deutschland war wiedervereinigt, die Menschen in meiner Heimatstadt suchten einen neuen Weg in einer ihr fremden Welt, doch an all das kann ich mich kaum erinnern. Ich weiß nicht, was am Tag passiert ist, als die Mauer gefallen ist, oder in den Tagen danach. Ich war zu jung. Ich weiß nur, dass irgendwann unser Trabant aufgebockt auf dem Hof stand. Meine Eltern hatten ein neues Auto gekauft, einen Toyota Corolla. Ich kann mich noch genau erinnern, wie der Toyota gerochen hat, das Plastik des Armaturenbretts. Alles war neu. Ich wusste, es ist etwas Besonderes passiert.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Der Trabant jedenfalls war wertlos geworden, dachte ich, Überreste der alten Autos standen überall herum. Es schien, als sei die Zeit über sie hinweggegangen. Also nahm ich mir mit einem Freund unseren aufgebockten Trabant vor, wir schlugen die Fenster ein und machten kaputt, was wir kaputtmachen konnten. Meine Eltern waren sehr sauer auf mich, auch daran kann ich mich noch erinnern. Und ebenso, dass ich es nicht verstand. Ich dachte, das sei doch nur Schrott. Es hatte seinen Wert verloren. Irgendwann wurde der Trabant abgeholt und entsorgt. Darüber gesprochen haben wir nicht mehr.

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