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KZ-Prozess in Hamburg : Ringen mit den Erinnerungen

Ihm wird Beihilfe zum Mord in mindestens 5230 Fällen vorgeworfen: Der 93 Jahre alte Bruno D. Bild: Reuters

Bruno D. soll tausende Male Beihilfe zum Mord geleistet haben. Der ehemalige Wachmann aus dem KZ Stutthof beteuert seine Unschuld. Die Aussagen eines Nebenklägers werfen Zweifel auf.

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          Mit der Vergangenheit ist es schwierig. Woran kann und will man sich erinnern, was entspringt der eigenen Erinnerung, und was hat sich erst mit den Erzählungen und Erfahrungen anderer zu einem vermeintlich eigenen Bild der Vergangenheit zusammengefügt? Wie lässt sich das wieder trennen, was ging auf dem langen Weg ins Heute verloren, was wurde verdrängt – und was ist man bereit, davon preiszugeben? Im Hamburger Prozess gegen den früheren SS-Wachmann im deutschen Konzentrationslager Stutthof, Bruno D., geht es vor allem um die Jahre 1944 und 1945. Da stellen sich all diese Fragen immer wieder. Aber nicht nur mit Blick auf die Aussagen des Angeklagten. Es ist am Montag, dem ersten Verhandlungstag im neuen Jahr, vielmehr die Vergangenheit eines Zeugen und Nebenklägers, die Fragen aufwirft.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die Staatsanwaltschaft wirft Bruno D. Beihilfe zum Mord in mindestens 5230 Fällen vor. Er soll laut Anklage als Wachmann die „heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge“ unterstützt haben. Bruno D. bestreitet nicht, als Wachmann in Stutthof gedient zu haben, als schuldig aber sieht er sich nicht. Er sei nicht freiwillig zur SS gekommen, niemals habe er einem Häftling Leid zugefügt. So wiederholt er es in seinen Aussagen immer wieder. An manches kann er sich detailliert erinnern, an anderes, so sagt er, kaum.

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