https://www.faz.net/-gpf-9zbp6

Jüdische Displaced Persons : Warten im Land der Henker

Überlebende des Krieges und der Verfolgung: Polnische Kinder in einem Displaced-Persons-Camp 1945 in Deutschland. Bild: mauritius images / Photo 12 / Al

Nach Kriegsende wurde ausgerechnet Deutschland für Tausende Juden zum vorübergehenden Zufluchtsort. Für viele Überlebende der KZs war es ein belasteter Wartesaal, in dem dennoch für kurze Zeit das Leben erblühte.

          3 Min.

          In den letzten Kriegsmonaten 1945 wurden die Truppen der Alliierten an mehreren Orten mit den grausamsten Aspekten der Nazi-Herrschaft konfrontiert: In den befreiten Konzentrationslagern stießen sie auf Berge von Leichen. Aber auch auf Überlebende. In Bergen-Belsen, das den britischen Truppen am 15. April durch eine Vereinbarung übergeben wurde, befanden sich zu jenem Zeitpunkt noch etwa 60.000 Häftlinge. Knapp die Hälfte der Überlebenden brachten die Briten in nahegelegenen Wehrmachtkasernen unter, in denen Notlazarette eingerichtet wurden. Tausende starben in den folgenden Wochen an Entkräftung und Krankheit. Einige kehrten in ihre Heimat zurück. Aber viele hatten keine Heimat, in die sie zurückkehren konnten oder wollten.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Das betraf – nicht nur in Bergen-Belsen – vor allem aus Osteuropa stammende Juden. Sie zählten zu den von den Alliierten so genannten „Displaced Persons“ (DP) – jener riesigen Gruppe von Zivilisten auf deutschem Gebiet, die kriegsbedingt aus ihren Heimatländern gerissen worden waren und auf Hilfe angewiesen waren. Gegen Kriegsende gab es etwa acht Millionen DPs – überwiegend Zwangsarbeiter, daneben Kriegsgefangene und Überlebende von KZs und Todesmärschen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Impfen gegen Corona : „Das wird noch einige Jahre dauern, fürchte ich“

          Bis zu 1,4 Milliarden Impfdosen will Biontec bis Ende 2021 herstellen. Aber wie lange dauert es, bis die Menschheit geimpft ist? Aufsichtsratschef Helmut Jeggle spricht im Interview über den Corona-Impfstoff seiner Firma und den Hype, den dieser an der Börse ausgelöst hat.

          Vorsicht, Trump! : Bei den Republikanern liegen die Nerven blank

          Trump provoziert, wo er kann und schießt selbst gegen seine eigenen Parteigenossen. Senatoren gehen offen auf Distanz zu ihm. In der „Grand Old Party“ kämpft inzwischen jeder für sich.