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Frankfurter Zeitung 06.02.1930 : Wird die NSDAP von Mussolini finanziert?

  • Aktualisiert am

Die faschistischen Diktatoren Benito Mussolini und Adolf Hitler bei einem Staatsbesuch Ende der Dreißigerjahre. Bild: Picture-Alliance

Ein politischer Skandal bedroht die NSDAP. Zeugen aus Parteikreisen wollen mitbekommen haben, dass Hitler „finanzielle Hilfe“ von Italien bekomme. Damit müsse er „um seine politische Existenz fürchten“.

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          (...) Was steht bisher fest? Auch wir als gegnerisches Blatt sind an einer durchaus objektiven Untersuchung des Sachverhaltes interessiert. Es soll im politischen Leben überhaupt nicht mit fragwürdigen Enthüllungen gearbeitet werden. Der Kampf der Geister und der realen Interessen muß fair geführt werden. Wenn allerdings feststeht, daß eine politische Bewegung vom Ausland finanziert wird, sicher zu dem einzigen Zwecke, um ausländischen Interessen zu dienen, dann muß sie mit allen Mitteln entlarvt und erledigt werden. Denn dann ließe sich ein größerer Mißbrauch des Vertrauens des deutschen Volkes nicht denken.

          Herr von Graefe-Goldebee, der Führer der norddeutschen völkischen Freiheitsbewegung, der ehemals zusammen mit Hitler die Gesamtpartei leitete, erklärte vorgestern wieder vor Gericht, daß finanzielle Beziehungen zwischen Mussolini und Hitler beständen. Seine Quelle sei indirekt der deutsche Botschafter in Rom von Neurath. Herr von Graefe ist der Anschauung, daß Hitler Südtirol preisgebe, weil er in dieser materiellen Abhängigkeit von Mussolini stehe.

          Er hat in seinem Blatt einen Artikel in diesem Sinne geschrieben, der der Ausgangspunkt der Prozesse ist. Graefe beantragt in dem ersten Prozeß vor dem Amtsgericht des Botschafters von Neurath. Die Ladung wurde vom Gericht abgelehnt. Doch wurde damals die eidliche Aussage des völkischen Agitators Dr. Wl von Bremmer in Charlottenburg vor Gericht verlesen, in der es heißt: „Ich kam 1927 in Meran mit einer führenden Persönlichkeit des fascistischen Geheimdienstes zusammen, die ihre ursprüngliche Zurückhaltung aufgab, als sie hörte, ich sei deutscher Fascist.

          Mussolini glaubt an den Erfolg von Hitler

          Im Laufe der Unterhaltung sagte mir der Italiener, daß die nationalsozialistische Südtirolpolitik in Italien sehr angenehm empfunden werde und deswegen auch von Italien die deutsche faschistische Bewegung unterstützt werde. Ich warf ein: „Pour delà aussi le secours d’argent pour les fascistes allemands?“ (frz. für „Deshalb auch die finanzielle Hilfe für die deutschen Faschisten?“ – Anm. d. Red.) Das bestätigte der Italiener sehr lebhaft mit dem Bemerken, daß ein anderer Weg nicht möglich sei. Aus einer späteren Besprechung ging klar hervor, daß der Italiener unter „deutsche Fascisten“ die Nationalsozialistische Partei mit dem Sitz in München verstand…

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          Ein anderer maßgebender Fascist sagte mir, er glaube nicht, daß die heutige deutsche Regierung lange Bestand haben könne: wegen der Politik Frankreichs, und deswegen unterstütze auch Mussolini die befreundeten deutschen Kreise aus Fondsmitteln, weil er glaube, daß die deutschen Fascisten sich ebenso durchsetzen würden wie Mussolini selbst.“

          In dem jetzigen Prozeß vor der Berufungsinstanz trat als Zeuge Werner Abel auf, der im Oktober 1923 als Emissär der ostpreußischen Putschisten: des „ostpreußischen Vaterländischen Kartells“ und seines Vorsitzenden, des Grafen von Schwerin, nach München gekommen war, um die Verbindung zwischen Ostpreußen und München herzustellen. Er sagte aus, daß vor dem Hitlerputsch 1923 der italienische Hauptmann Migliorati, jetzt Attaché bei der Berliner italienischen Botschaft, als Abgesandter des italienischen Fascismus in München gewesen sei. Roßbach, der sich an dem Hitlerputsch beteiligte, habe von Migliorati beträchtliche Summen erhalten.

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