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Frankfurter Zeitung 24.10.1930 : Elisabeth Altmann-Gottheiner: Deutschlands erste Professorin

  • -Aktualisiert am

Berlin im März 1912: Elisabeth Altmann-Gottheiner hinten links auf dem ersten deutschen Frauenkongress. Bild: Jula2812/Wikimedia Commons

Eine der ersten Professorinnen: Nationalökonomin Elisabeth Altmann-Gottheiner beschäftigte sich nicht nur wissenschaftlich mit Arbeiterinnen. Eine Weggefährtin würdigt ihr Engagement als Frauenrechtlerin.

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          Elisabeth Altmann-Gottheiner, die der Tod vor wenigen Tagen der deutschen Frauenbewegung und der Wissenschaft entrissen hat, ist in den letzten Jahren nur noch selten an die Oeffentlichkeit getreten. Angespannte Arbeit für ihre Vorlesungen an der Handelshochschule Mannheim, später eine grausame Krankheit zwangen sie, ihre Wirksamkeit einzuschränken. Ihr Name ist aber so eng mit der Geschichte der deutschen und auch der internationalen Frauenbewegung verknüpft, daß diese in erster Linie genannt werden darf unter den Gebieten, denen die Arbeit der Verstorbenen gegolten hat – wenn es auch schwer ist, die Grenzen zwischen Frauenbewegung und Sozialpolitik, Sozialpolitik und Wissenschaft zu ziehen. Schwer bei Betrachtung namentlich dieses Lebens, das jede Tätigkeit gleich intensiv, gleich gründlich und systematisch aufnahm.

          1874 als Tochter des Geh. Baurats Gottheiner in Berlin geboren, genoß Elisabeth Altmann-Gottheiner zunächst den üblichen Schulunterricht, erweiterte aber nach dessen Abschluß ihre Kenntnisse bedeutend und begann, dem Beispiel des Vortrupps akademischer Frauenarbeit folgend, das Studium der Volkswirtschaft. Zunächst in London, dann in Berlin und in Zürich, wo sie 1902 mit einer Dissertation über „Die Wuppertaler Textilindustrie und ihre Arbeiter“ promovierte.

          Diese Schrift hat fast paradigmatischen Charakter für die weiteren wissenschaftlichen Forschungen Elisabeth Altmann-Gottheiners; befaßt sie sich ja einmal mit den Zuständen eines wichtigen Produktionszweiges und sodann mit der Lage der Menschen, die in ihm beschäftigt sind. In dieser Richtung sollten sich auch ihre weiteren Untersuchungen bewegen; wir nennen nur „Die gewerbliche Arbeiterinnenfrage“ und „Die Entwicklung der Frauenarbeit in der Metallindustrie“.

          Die Lage der Arbeiterinnen

          Naturgemäß interessierte sie das Schicksal der weiblichen Arbeiterschaft in besonderem Maße, und sie verstand es ausgezeichnet, auch in mündlicher Darstellung, sich den geistigen Voraussetzungen des jeweiligen Hörerkreises anpassend, ein lebendiges Bild der Verhältnisse zu geben. Ihr ruhiger klarer Vortrag, die einleuchtenden Beispiele und Belege, vor allem die starke innere Wärme, die auch die trockene Statistik zu beleben vermochte, fesselten die Zuhörer vom ersten Satze an.

          Diese Fähigkeit, darzustellen und vorzutragen, machte sie in hohem Grade zum Dozenten geeignet, und es erfüllte weite Kreise mit Genugtuung, als die Handelshochschule Mannheim, sich fortschrittlich über veraltete Bedenken hinwegsetzend, Dr. Altmann-Gottheiner 1908 mit einem Lehrauftrag für die Fächer Volkswirtschaft, Sozialpolitik und verwandte Gebiete betraute. An dieser Stätte hat sie seitdem dauerend gewirkt und dort als eine der wenigen deutschen Frauen den Professorentitel erhalten.

          „Der erste weibliche Dozent an einer deutschen Hochschule“: Elisabeth Altmann-Gottheiner
          „Der erste weibliche Dozent an einer deutschen Hochschule“: Elisabeth Altmann-Gottheiner : Bild: Wikimedia Commons

          Ein freundliches Schicksal hatte es gefügt, daß sie bald nach Abschluß ihrer Universitätsstudien einen Lebensgefährten gefunden hat, mit dem sie volle Uebereinstimmung der Interessen und Ueberzeugungen verband. Die Arbeit Prof. Dr. P.G. Altmanns hat wohl bei niemand eingehenderes Verständnis gefunden als bei Elisabeth Altmann-Gottheiner, und sie wiederum konnte bei ihm die gleiche Würdigung voraussetzen. Ein beglückendes Beispiel dessen, was die Ehe unter modernen Verhältnissen an neuen Werten hervorzubringen vermag. Und welche Fülle feinen menschlichen Verstehens, zarter Rücksicht und Schonung in diesem Hause waltete, konnten diejenigen erfahren, die in den Jahren als das Leid der Krankheit sich noch nicht allzu tief herabgesenkt hatte, die ruhigen büchergefüllten Zimmer betreten durften.

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