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Frankfurter Zeitung 20.04.1930 : Telefonieren über 23.000 Kilometer

  • Aktualisiert am

Die „Fräuleins vom Amt“ posieren für eine Aufnahme um 1925 (digital koloriert). Bild: Picture-Alliance

Zum ersten Mal ist ein Telefongespräch über die halbe Erde geglückt. Und so kompliziert das Vorhaben auch ist – die Technik begeistert.

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          Am 16. April ist zum erstenmal ein sehr interessanter Telephonieversuch gemacht worden, bei dem es geglückt ist, einwandfrei und verständlich über mehr als die halbe Erde zu telephonieren. Wenn Marconi von seiner Jacht in Italien aus drahtlos die Einschaltung von Beleuchtungskörpern in Sydney gesteuert hat, so ist dabei nur die Sendung eines einzigen Morsezeichens, eines Impulses, von Italien nach Australien notwendig gewesen. Auf die Qualität kommt es bei einer solchen Sendung, bei der es sich ja nur um eine einmalige Auslösung, gewissermaßen durch einen Anstoß, handelt, in keiner Weise an.

          Ganz andere Ansprüche muß man an die Qualität der Sendung selbstverständlich bei Telephongesprächen stellen, bei denen sich zwei Teilnehmer miteinander unterhalten, und wobei man jedes Wort verstehen soll. Die erwähnten Telephonie-Versuche sind – von Transradio zusammen mit der Deutschen Reichspost – durchgeführt worden zwischen Batavia in Niederländisch-Indien und Buenos Aires, bzw. Rio de Janeiro, und zwar ging das Gespräch nicht direkt, sondern über das Verstärkeramt Berlin-Winterfeldstraße.

          Es handelt sich um eine Entfernung von fast 23 000 Kilometer, also um eine viel größere Strecke als bei dem Unternehmen Marconis. Man konnte mit Hilfe von eingeschalteten Kopfhörern auf dem Fernamt Berlin, Winterfeldstraße, verfolgen, wie zuerst die drahtlose Verbindung mit Batavia hergestellt wurde unter allmählicher Ausschaltung der die Klarheit der Sprache beeinträchtigenden Schwundeffekte, wie dann der Anschluß mit Buenos Aires gefunden und schließlich die Verbindung zwischen Batavia und Buenos Aires unmittelbar hergestellt wurde.

          In Buenos Aires hatte man sich, um sprachliche Schwierigkeiten der Verständigung auszuschalten, einen Holländer beschafft, der sich schon nach wenigen Minuten mit dem holländisch sprechenden Beamten in Niederländisch-Indien wie bei jedem anderen Ferngespräch unterhalten konnte.

          Praktisch ist dies Gespräch so durchgeführt worden, daß der Teilnehmer in Batavia den niederländisch-indischen Sender auf Welle 15.93 m bespricht, die Sendung in Geltow aufgenommen und nach dem Ueberwachungsamt im Fernamt Berlin Winterfeldstraße geleitet wird.

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          Von hier aus wird das Gespräch über eine Verstärkereinrichtung zu dem Kurzwellensender in Nauen geführt und durch Strahlenwerfer nach Buenos Aires gesandt, wo es in der Empfangsstation Villa Elisa der Transradio Internacional Compania Radiotelegrafica Argentina S. A. aufgenommen und nach der Betriebszentrale der Transradio International geleitet wird. Gleichzeitig, im Gegensprechbetrieb, bespricht der Teilnehmer in der Betriebszentrale in Buenos Aires den Kurzwellensender der Großfunkstelle Monte Grande.

          Interessant ist, abgesehen von der Tatsache der Aufnahme, Verstärkung und Weiterleitung in Berlin, daß im ganzen mit vier verschiedenen Kurzwellen gearbeitet wird. In ähnlicher Weise ist auch das Gespräch zwischen Batavia und Rio de Janeiro zustande gekommen, ebenfalls über Geltow, Berlin Winterfeldstraße, Nauen.

          Die Güte der Verständigung bei diesen Gesprächen über mehr als den halben Erdumfang hat gezeigt, daß heute sämtliche technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind, sich von irgendeinem Punkt der Erde aus mit jedem anderen Punkt telephonisch verständigen zu können.

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