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Frankfurter Zeitung 26.09.1930 : Hitler vor Gericht

  • Aktualisiert am

Prozess gegen die Ulmer Reichswehroffiziere: Adolf Hitler sagt im September 1930 als Zeuge vor dem Reichsgericht in Leipzig aus. Bild: Ullstein

Im Prozess um drei Offiziere sagt Adolf Hitler vor dem Reichsgericht in Leipzig aus. Die Vernehmung des Vorsitzenden der NSDAP soll klären, ob seine Partei einen Umsturz vorbereitet. Ein Protokoll.

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          Der dritte Verhandlungstag des Hochverratsprozesses gegen die drei Ulmer Reichswehrleutnants hatte durch die Vernehmung des Führers der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Adolf Hitler als Zeugen ein besonderes Gesicht bekommen. Es war zu erwarten, daß sein Erscheinen seine Leipziger Anhängerschaft in Hochstimmung versetzen werde. Schon längere Zeit vor Verhandlungsbeginn hatte sich auf dem Reichsgerichtsplatz eine größere Menschenmenge eingefunden, um den Führer der Nationalsozialistischen zu erwarten.

          Einstweilen mußte man sich jedoch damit begnügen die Angeklagten, die im Gefangenenwagen ins Reichsgerichtsgebäude gebracht wurden, zu begrüßen. Ein größeres Polizeiaufgebot, das zur Sicherung des Reichsgerichts und zu Aufrechterhaltung der Ordnung angefordert worden war, drängte kurz nach ½ 9 Uhr auf dem Platze des Publikum auf die Bürgersteige der angrenzenden Straßen und hielt das große Geviert frei. Den Polizeikordon durften nur Personen passieren, die entweder im Besitz einer Zuhörerkarte waren oder die sich auf eine andere Weise legitimieren konnten, daß sie Zutritt zum Reichsgericht erhalten mußten.

          Kurz vor 9 Uhr setzte die Auffahrt der nationalsozialistischen Führer ein, die bereits gestern als Zeugen vernommen worden waren. Hitler ließ jedoch einige Zeit auf sich warten. Erst nach 9 Uhr entstieg er vor dem Hauptportal in Begleitung mehrerer Parteianhänger einer Kraftdroschke. Im Augenblick als sich der Wagen Hitlers näherte, erschollen ohrenbetäubende Heilrufe. Die in wilde Aufregung geratene Menge, in der Hauptsache jugendliche Leute, stürmten hinter der Droschke her und wurde von den auf der Freitreppe postierten Polizeimannschaften zurückgetrieben. Später erschien auch Göbbels auf der Bildfläche. Auch er wurde stürmisch begrüßt.

          Legales oder illegales Vorgehen?

          Währenddessen war die Polizei jedoch dazu übergegangen, die Massen weiter zurückzudrängen und auch die Umgebung des Reichsgerichts zu säubern. Die Aktion ging im ganzen reibungslos vonstatten, doch wurden mehrere junge Leute, in Gewahrsam genommen. Im Gegensatz zu den stürmischen Kundgebungen vor dem Gerichtsgebäude war die Stimmung im Sitzungssaal selbst ruhig. Allerdings machte sich allenthalben eine gewisse Spannung bemerkbar. Das war erklärlich. Sollte doch mit der Vernehmung des nationalsozialistischen Führers ein Urteil über die Frage abgegeben werden: Arbeite die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei legal oder illegal? Bereitet sie den Umsturz vor, oder wird sie sich nach den Aussagen ihres Führer zu einem Vorgehen mit verfassungsrechtlichen Mitteln bekennen?

          Noch vor Eintritt des Gerichts in den Verhandlungssaal richtete der diensttuende Wachtmeister zweimal nachdrücklich die Aufforderung an das Publikum, sich bei der kommenden Verhandlung auf jeden Fall ruhig zu verhalten und „die vornehme Ruhe wie an den beiden Vortagen zu bewahren“. Diese Aufforderung verfehlte auch ihre Wirkung nicht, besonders da andernfalls die sofortige Räumung der Publikumsplätze vom Vorsitzenden angeordnet worden wäre. Zugleich mit mehreren andren Personen betrat Hitler den Sitzungssaal. Bei einer späteren Vernehmung sah man außerdem noch den Berliner Führer im Zeugenraum Platz nehmen. Die Verhandlung hatte schon begonnen, und immer noch tönten die Rufe des nationalistischen Sprechchores „Heil!“ und „Deutschland erwache!“ im Saal. Das ging fast eine Viertelstunde lang, bis die Polizei die Sprechchöre auf der Straße abgedrängt hatte.

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