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Frankfurter Zeitung 11.11.1930 : Eine Reise mit dem größten Flugschiff der Welt

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Weltweit das größte Luftschiff seiner Zeit: Das deutsche Schwimmflugzeug Dornier „Do X“. Bild: Picture-Alliance

Das Flugschiff „Do X“ meistert seinen ersten Flug über das Meer. Ein Redakteur der Frankfurter Zeitung ist an Bord und nimmt die Leser mit in ein neues Zeitalter der Luftschifffahrt.

          4 Min.

          „Auf Wiedersehen!“ Diese beiden Worte werden schon draußen auf der Plattform durch ein Sprachrohr gerufen. Dumpf klingen sie durch die Metallwände in die Kabine hinein. Ich sitze auf einem Eckplatz. Dicht neben mir ein Bullauge. Wie ein Bilderrahmen umfaßt es ganz nahe den mächtigen Steven, der den Schwimmer mit dem Flügel verbindet.

          Auf dem Flügel stehen zwei Monteure. Langsam und rhythmisch drehen sie die Kurven der Steuerbordmotore. Die Motore springen an. Die Propeller vibrieren. Der Kanarienvogel an der Kabinendecke singt. Wir wassern um 10.15 Uhr von der Boje der holländischen Marinestation ab. Von der Kappe der Propellerwellen rinnt die spiegelnde Sonne wie in unablässigen Blitzstrahlen hernieder. Immer schneller rollen wir über die „Stufe“, jenen kleinen Unterbau des Schiffes, der gerade noch das Wasser streift.

          Mächtige Wellen wirft die sonst so sanfte Zuiderzee hinter uns her. Wir schlinkern ein wenig. Als säßen wir gemütlich in einer Stube und von unten stieß ein grober Kerl gegen den Fußboden. Jetzt laufen drei Motoren an Steuerbord. Die Parallelmotoren stehen still, und so drehen wir uns dem offenen Wasser zu. Um 10.15 Uhr ziehen wir von der Fläche ab. Ein Fischerhaus, noch eben in horizontaler Sicht, schließt 200 Meter plötzlich in die Tiefe. Wir steigen! Gerade wie ich durch das Schiff wandern will, geht ein Mann der Besatzung in die Kniebeuge und ruft: „Wir landen!“ Kaum bin ich mit meiner Kniebeuge unten, sind wir auch schon wieder auf dem Wasser. Eine Spange, die den Ölfühler am Motor festhält, ist geplatzt. Ich sehe durch das Bullauge drei Monteure auf dem Flügel des Flugschiffes umherklettern. In einer Viertelstunde ist der Zwischenfall behoben.

          Um 11.47 Uhr sind wir wieder in der Höhe und schon über der Insel Marken. Auf dem Wasser die Bolendamer Fischerboote. Reizende bunte Schmetterlinge, denen das Kielwasser nachströmt. Zu einem Demonstrations- und Lehrobjekt ausgebreitet die Landgewinnung an der Zuiderzee. Tief im Lande Dörfer, die noch vor Jahren dicht am Wasser gestanden haben. Hinter schmalen Absperrungsdämmen Seeteile, die zum Trocknen bestimmt sind. Wir fahren den Nordseekanal entlang. Ein holländischer Doppeldecker, weiß und rot angestrichen, schlägt vor Vergnügen Kapriolen um uns herum. Das Wetter hat sich ganz aufgeklärt. Dicke Wolken und Sturm ziehen nach der französischen Käste ab. Ymuiden erscheint mit seinen Werften und seinen berühmten Schleusenanlagen.

          Um 12 Uhr die Nordsee! In drei, vier Reihen hintereinander, lang ausgekämmt die weißten Schaumlocken der See. An Backbord die Küste mit den Seebädern. Dahinter das zierliche Nordwyck, 12.20 Uhr Scheveningen. Ich sehe das Orange-Hotel und denke an Stresemanns berühmte Friedensrede. Wie Tausende kleiner langgestreckter Luftschiffhallen die Gewächshäuser der Blumenzüchter. In Windeseile werden Städte und Küsten vorbeigereicht. Wir fahren 160 Kilometer Geschwindigkeit. Schon biegt sich die Landspitze von Maasvlakte wie ein kleiner weißer Finger in die graue See. Der Leuchtturm von Dudorp, ein gewichtiger Beamter, regelt schlank und grau den gesamten Schiffsverkehr.

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