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Frankfurter Zeitung 11.11.1930 : Ein deutscher Blick auf Gandhis Freiheitskampf

  • Aktualisiert am

Runder Tisch in London: Bei der zweiten Indien-Konferenz im September 1931 war auch Mahatma Gandhi unter den indischen Teilnehmern. Bild: Picture-Alliance

Gespannt erwartete die Frankfurter Zeitung vor 90 Jahren die erste britisch-indische Konferenz in London. Dort sollte über eine neue Verfassung für die Kolonie beraten werden. Wohin würde Gandhi Indien führen?

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          König Georg wird am 12. November durch einen feierlichen Akt die Indien-Konferenz eröffnen, die das politische und damit wahrscheinlich auch das geschichtliche Schicksal eines von über 300 Millionen bewohnten Weltteiles entscheiden soll. Und das in einem Zeitraum von drei Monaten!

          Die Konferenz soll Indien eine neue Verfassung geben und damit der historischen Entwicklung dieses Landes auf wachsende Selbstständigkeit hin Rechnung tragen. Aber von der Art, wie diese Frage gelöst wird, hängt nicht nur Indiens Zukunft ab, sondern auch die Zukunft des britischen Weltreiches. 

          Die Voraussetzungen zur Bewältigung dieser fast übermenschlichen Aufgabe sind denkbar ungünstig, die Führer der nationalistischen Bewegung, die den Stein ins Rollen gebracht hat, halten sich vom Runden Tisch fern, die englische Regierung scheint nicht in der Lage zu sein, ein festes Programm mitzubringen, und was an indischen Vertretern erschienen ist, kann sich wohl von Zeit zu Zeit taktisch zusammenfinden, aber niemals auf eine gemeinsame Idee einigen.

          Indische Revolution verhindern

          Die Konferenz wird auf einem Ozean von Vorschlägen, Einzelfragen, Verwaltungsdetails, undurchschaubaren Reibereien und Kompromissen dahintreiben. Ja, es fragt sich, ob es überhaupt möglich sein wird die Außenwelt durch Berichterstattung so an den Vorgängen teilnehmen zu lassen, dass sie die einzig richtige Frage nach dem Grade von Unabhängigkeit, der Indien gewährt werden wird, nicht aus dem Gesichtsfeld verliert. Daß die indischen Nationalisten jede Londoner Lösung ablehnen werden, steht heute schon fest. Die Frage ist, ob das, was die übrigen Vertreter Indiens vom Runden Tisch nach Hause bringen, ausreichen wird, um den Ausbruch einer Revolution in Indien zu verhindern.

          Eine Revolution? Ja, nicht mehr und nicht weniger. Und damit fällt ein Begriff in die Debatte, der auch die deutsche Einbildungskraft gefangen zu nehmen vermag. Was geht uns die Indienkonferenz an, haben wir an unseren eigenen Kümmernissen nicht genug und können wir überhaupt aus dem Schatten, in dem wir leben, einen Blick über den Erdball tun zu fernen Völkern, die für ihre Freiheit streiten?

          Der Kampf des allindischen Kongresses gegen die britische Fremdherrschaft erregt in Deutschland mit Recht die stärkste Anteilnahme. Ein gewaltiges und uraltes Volk von höchster Kultur, die mehr als einen Wert in unsere Bildung hat einfließen lassen, erhebt sich gegen den aus härtestem Imperialismus stammenden Machtanspruch eines fremden Volkes und wird bei dieser Erhebung geführt von einem Manne, dessen an Heiligkeit grenzende sittliche Eigenschaften unsere Bewunderung erregen: ist es angesichts dieses Tatbestandes ein Wunder, daß die öffentliche Meinung in Deutschland die Aktion Gandhis und der Seinen mit Sympathie betrachtet, ihr vollen Erfolg d.h. Indien sofortige Unabhängigkeit wünscht und den Engländern in Bausch und Bogen unrecht gibt!

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