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Frankfurter Zeitung 04.11.1930 : Der Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit

  • Aktualisiert am

Menschen vor einer Erwerbslosenküche in Frankfurt am Main: Die Not der Arbeitslosen ist groß (Archivbild aus dem Jahr 1931). Bild: Picture-Alliance

Die Arbeitgeberverbände wollen etwas gegen die hohen Arbeitslosenzahlen in Deutschland unternehmen. Doch ihre Forderungen unterscheiden sich von denen der Gewerkschaften und Politik.

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          Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände veröffentlicht Beschlüsse ihres Vorstandes zur Arbeitslosenfrage. Die öffentliche Debatte ist inzwischen durch Initiative von anderer Seite, z.B. der Gewerkschaften, aber auch der „Frankfurter Zeitung“, in eine bestimmte Richtung gelenkt worden, nämlich auf den Vorschlag der Arbeitszeitverkürzung hin. Der Gedanke bekennt sich unverhohlen als Provisorium; Arbeitslose sollen von der Straße weg und an den Werkplatz zurückgeführt werden; die vorhandene Beschäftigung wäre also innerhalb der gesamten Arbeitermasse stärker zu zerteilen und zu zerdehnen.  

          Der Erfolg wäre zunächst kein im strengen Sinne wirtschaftlicher, sondern ein sozialer und menschlicher: die Lichtung des verzweifelten Heeres der Arbeitslosen. Die Arbeitgeber verlangen eine Wirtschaftspolitik, die das Uebel ausschließlich bei den Produktionskosten bekämpft. Dabei fragt sich nur, ob in diesem Augenblick, zu Beginn des Winters, die Senkung der Produktionskosten in dem Maße und mit den Menschen, die man vor sich hat und deren Vorhandensein nicht ganz übersehen werden sollte, überhaupt zu erzwingen ist.  

          Die Arbeitgeber befürchten, daß auch nach einer entschiedenen Lohnsenkung, wenigstens auf geraume Zeit, immer noch keine Arbeitsgelegenheit für die Arbeitslosen da sein wird, daß sie aber dann auch nie mehr durch die Arbeitszeitverkürzung sich wird schaffen lassen. 

          Im einzelnen erklärt die Vereinigung, schematische oder generelle Verkürzung der Arbeitszeit müsse die Arbeitslosigkeit sogar vergrößern, da sie eine Einengung der gerade für die Arbeitslosigkeit sogar vergrößern, da sie eine Einengung der gerade für die Arbeitszeit unerläßlichen Bewegungsfreiheit der Betriebe und darüber hinaus fast immer eine Steigerung der Produktionskosten bedeute.  

          Statt dessen wird gefordert: Selbstkostensenkung durch Senkung des Lohnes, unter Umständen auch in der Form der Arbeitszeitverlängerung unter Aufrechterhaltung des bisherigen Gesamtlohnes; also Ablehnung eines gesetzlichen Zwanges zur Verkürzung der Arbeitszeit; deren Verkürzung im Einzelfalle könne nur nach den betriebs- und produktionstechnischen Bedingungen des einzelnen Betriebes beurteilt werden und müsse der Kurzarbeit und Feierschichten zueigne, daß dieser Weg bereits weitestgehend im Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beschritten worden sei. 

          Eine Ausdehung der Notstandsarbeiten sei ebenfalls kein geeignetes Mittel zur Verminderung der Arbeitslosigkeit, da erstens das Kapital fehle und selbst seine Bereitstellung es der produktiven privaten Wirtschaft entziehen und damit die Vergrößerung der Arbeitslosigkeit an anderer Stelle bedeuten würde.

          Wie arbeitswillig sind die Erwerbslosen?

          Fortsetzung von Notstandsarbeiten in dem jetzigen beschränkten Umfang unter sparsamster Verwendung der Mittel dagegen sei unentbehrlich zur Unterstützung der Prüfung der Arbeitswilligkeit des Erwerbslosen, also zur Erhaltung und Stärkung der Arbeitsmoral und Ausschaltung der Nichtarbeitswilligen aus der Unterstützung. Dazu wird noch gefordert mögliche Erweiterung der Pflichtarbeit gemäß Paragraph 91 des Arbeitsgesetzes im Rahmen der zur Zeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen, wobei insbesondere die jugendlichen Arbeitnehmer heranzuziehen seien. Die genannten Gründe (Kapitalmangel) ließen auch die Durchführung einer allgemeinen Arbeitsdienstpflicht trotz weitestgehender Würdigung ihrer erziehlichen und arbeitsethischen Bedeutung zur Zeit unmöglich erscheinen.  

          Nachdrücklich lehnte die Arbeitgebervereinigung alle Subventionen, insbesondere alle Lohnzuschüsse aus öffentlichen Mitteln, ab: in Übereinstimmung mit dem Reichsverband der deutschen Industrie wendet sie sich grundsätzlich gegen die Gewährung öffentlicher Mittel an Privatbetriebe, da der Begriff der privatwirtschaftlichen Tätigkeit die Gewährung öffentlicher Mittel ausschließe.  

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