https://www.faz.net/-gpf-9t3h4

Hitler-Attentäter Georg Elser : Mit wachem Auge und wachem Herzen

Das Archivbild vom November 1939 zeigt Aufräumarbeiten nach dem Bombenattentat auf Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller. Bild: dpa

Vor achtzig Jahren scheiterte Georg Elsers Anschlag auf Adolf Hitler – seine Bombe zündete nur wenige Minuten zu spät. Einen würdigen Platz in der Geschichte fand der Widerstandskämpfer jedoch lange nicht.

          6 Min.

          Es fehlten 13 Minuten, dann hätte Georg Elser aus dem württembergischen Königsbronn ins Rad der Weltgeschichte gegriffen. Die NSDAP feierte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ihre „Alten Kämpfer“ und ihren gescheiterten Putsch im Jahr 1923. Um 21.07 Uhr beendete Adolf Hitler seine Rede, um 21.20 Uhr detonierte im großen Saal Elsers Bombe. In den Jahren zuvor hatte Hitler zumeist zwischen 20.30 Uhr und 22 Uhr im Bürgerbräukeller auf der Gedenkversanstaltung für den Putsch gesprochen und im Anschluss häufig noch mit den „alten Kämpfern“ geredet. Doch im Herbst 1939 befand sich Deutschland im Krieg. Hitlers Zug zurück in die Berliner Reichskanzlei ging um 21.31 Uhr. Weil es nebelig war, konnte er sich nicht fliegen lassen. Elsers Bombe tötete acht Menschen, sieben fanatische Nationalsozialisten und eine Kellnerin. Von der Detonation der Bombe bekam Hitler in München nichts mit. Als die Bombe explodierte, saß er mit Joseph Goebbels schon im Sonderzug nach Berlin. Erst in Nürnberg erhielt er die Meldung, dass er dem Anschlag knapp entgangen war.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Goebbels hielt die Meldung aus München zunächst für falsch, für eine „Mystifikation“. Man versuchte, den Anschlag dem britischen Geheimdienst in die Schuhe zu schieben, nutzte die Verhaftung zweier britischer Agenten an der holländischen Grenze aus, um gegen Großbritannien zu hetzen. Ein Einzeltäter passte nicht in die Erklärungsmuster der Gestapo. Die Nazis fabulierten von der „Vorsehung“ – die NS-Presse schrieb von der „wunderbaren Errettung des Führers“.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Maye Musk ist die Mutter des Unternehmers Elon Musk. Am Donnerstag erscheint ihre Autobiographie „Eine Frau, ein Plan“.

          Maye Musk : „In unserer Familie nimmt niemand frei“

          Wer Elon Musk verstehen möchte, muss seine Mutter Maye kennen lernen. Im Interview spricht sie über Abenteuertouren in der Wüste, ihre Modelkarriere mit 70 und wie sie einst aus Armut auf Dates verzichtete.
          Langer Winter: Zwei Polizisten am Mittwoch auf dem Roten Platz in Moskau

          Repressionen in Russland : In der Krise wächst die Paranoia

          Corona, eine schwache Wirtschaft und Proteste: Wladimir Putins Machtapparat sieht sich in Russland vielen Krisen ausgesetzt. Und erhöht deswegen den Druck auf Opposition und Zivilgesellschaft.
          Pfizer stellt den Impfstoff in Belgien und den Vereinigten Staaten her.

          Impfstoffherstellung : Qualitätsproblem bremst Biontech

          Pfizer und Biontech müssen ihrem hohen Tempo Tribut zollen und können nur halb so viele Impfstoffdosen liefern wie ursprünglich geplant. Wer macht das Rennen?