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Fastnacht in Nazi-Deutschland : Lachen über Göring mit Erlaubnis der SS

  • -Aktualisiert am

Humor auf Kosten der Verfolgten: Wer sich zu laut beschwert, darf bald „in Dachau meckern“, wie ein Wagen auf dem Rosenmontagsumzug 1936 klarmacht. Bild: Fastnachtsmuseum Mainz

Historiker der Gutenberg-Uni haben sich mit der Fastnacht in der Nazizeit beschäftigt. Sie zeigen: Die meisten Narren passten sich widerstandslos an. Kritik war nur gestattet, wenn sie den Nazis politisch nützlich erschien.

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          Vor dem Obermessdiener in der Bütt ist niemand sicher, schon gar nicht die AfD. „Demokratie beibringen, den Pommeranze, eher lernste ne Wildsau Lambada tanze“, schimpft Andreas Schmitt im Februar dieses Jahres bei „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Zwei Tage zuvor hat ein rassistischer Attentäter in Hanau neun Menschen ermordet. Schmitt nutzt seine Viertelstunde für eine Brandrede gegen rechts, das Publikum applaudiert.

          Die Mainzer Fastnacht hat von jeher den Ruf, scharfzüngig der Politik den Spiegel vorzuhalten. Kritik an der Obrigkeit gehört zum guten Ton. Dass Schmitt, seit 2014 Präsident der Fernsehsitzung, Sätze wie diese vor einem Millionenpublikum sagen kann, ist selbstverständlich. Vor fast neunzig Jahren war Narrenkritik an den Mächtigen nur dann möglich, wenn sie den Nationalsozialisten ideologisch zupasskam. Die Fastnacht fand 1939 mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ihr vorläufiges Ende. Davor hatte sich der organisierte Frohsinn sechs Jahre lang in die gleichgeschaltete Gesellschaft des „Dritten Reichs“ einzufügen.

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