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Erinnerung aus Stasi-Gefängnis : In Honeckers Knast

Strafvollzugsanstalt in Brandenburg an der Havel 1989. Dort protestierten Häftlinge wenige Wochen nach dem Mauerfall gegen die katastrophalen Bedingungen. Bild: Eastblockworld.com

Schlechtes Essen, schlechte medizinische Versorgung und wenige Besuche: Die DDR meinte es nicht gut mit ihren Feinden. Ein Gefängnispfarrer und ein ehemaliger politischer Häftling erinnern sich.

          9 Min.

          Es war 26 Tage nach dem Mauerfall, als Gefängnispfarrer Johannes Drews die Haftanstalt erst richtig kennenlernte. Dabei war er dort schon seit einem Jahr tätig. Am 5. Dezember 1989 aber gab es eine Pressekonferenz im Gefängnis in Görden, einem Stadtteil von Brandenburg an der Havel. Das hatten die Gefangenen mit Protesten und Streiks durchgesetzt. Rund 30 Journalisten kamen, danach fand eine Führung durch die gesamte Anstalt statt. Drews war erschüttert von dem, was er sah: die Einzelzellen, gerade anderthalb Meter breit und keine vier Meter lang; die mittelgroßen Zellen, überfüllt mit zehn bis zwölf Gefangenen, in der Ecke die Toilette ohne trennende Schamwand; die verrosteten und verkeimten Anlagen in den Werkhallen, in denen Motoren gewickelt wurden; die Duschräume, in denen das Wasser aus Löchern in der Wand floss.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Gefangenen forderten vor allem besseres Essen und eine bessere medizinische Versorgung, auch mehr Besuchsmöglichkeiten. Drews durfte von diesem Tag an tun, was ihm zuvor verwehrt worden war: Der Pfarrer konnte Einzel- und Gruppengespräche mit den Gefangenen führen, ohne die eine Seelsorge, die diesen Namen verdient, gar nicht möglich war.

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