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Die letzten Kriegstage : Ein Volk auf der Flucht

  • Aktualisiert am

In endlosen Kolonnen: Millionen Deutsche flohen vor 75 Jahren in der Endphase des Zweiten Weltkrieges gen Westen. Bild: dpa

Die letzten Tage des Krieges waren beherrscht von Angst und Verzweiflung. Maria Frisé, 1926 geboren und lange Redakteurin der F.A.Z., erinnert sich.

          5 Min.

          Ende April 1945 sprach niemand mehr von der Wunderwaffe, die eine Wende bringen sollte. Der Krieg war verloren, Hitler war tot, aber die Schlacht um Berlin tobte noch. Millionen waren auf der Flucht. Ich war in Etappen von Verwandten zu Verwandten von Schlesien bis zu einer Tante nach Mecklenburg geflohen, in die Nähe von Rostock. Durch das Dorf zogen Tag für Tag Trecks und noch immer bewaffnete deutsche Soldaten westwärts. Alle strebten aus Angst vor den russischen Truppen so schnell wie möglich weiter. Verzweiflung beherrschte das Durcheinander.

          Gerüchte kursierten, dass die schon von englischen und amerikanischen Truppen besetzten deutschen Gebiete bald keine Fliehenden mehr aufnehmen würden. Es wurde höchste Zeit, dass auch ich bis an die Elbe oder zumindest bis zum Elbe-Lübeck-Kanal kam. Mein Mann, der auch als schwer Kriegsverletzter noch Soldat war, hatte mir bei unserem letzten Treffen Messtischblätter aus Wehrmachtbeständen mitgegeben – Karten, auf denen selbst schmale Feldwege noch verzeichnet waren. Wir wollten uns auf einem Bauernhof in der Nähe von Lübeck treffen.

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