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Kriegskinder in Berlin : Panzerfaust und Froschkönig

Sowjetische Bomber in der Schlacht um Berlin Bild: Picture-Alliance

Luftangriffe und Straßenkämpfe, Rotarmisten und Scheinexekutionen: Wie Berliner Kinder das Kriegsende im April 1945 erlebten.

          7 Min.

          Für die Berliner begannen Mitte April 1945 die schlimmsten Tage des Schreckens. Fast hundert alliierte Luftangriffe hatten die Reichshauptstädter seit Anfang des Jahres erlebt, zuletzt an Hitlers Geburtstag, am 20. April. Der Diktator, ein zitterndes Wrack, war an diesem kühlen, wolkigen Tag aus dem Bunker der Reichskanzlei herausgekommen, um einige Jugendliche von der SS und Kindersoldaten auszuzeichnen. Die wurden jetzt neben alten Männern mit Panzerfäusten als letztes Aufgebot gegen die nahende Sowjetarmee geschickt. Wer konnte, war aus der ruinierten Hauptstadt aufs Land geflüchtet. So wie Eva-Marie Schoenthal, die mit ihrer Familie zunächst in die Nähe von Küstrin gefahren war. Oder der zwölf Jahre alte Horst Pillau, den sein Vater ins nahe Nauen geholt hatte. Helmut Rottka war bei Verwandten nahe Zittau gelandet. Der zehn Jahre alte Georg Schertz jedoch harrte mit seinen Eltern in Berlin aus.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Tags zuvor, am 19. April, war bei den Seelower Höhen die letzte größere deutsche Verteidigungslinie gerissen, vier Tage später schloss sich bei Halbe der Ring zur letzten großen Kesselschlacht des Krieges, 50.000 starben vor den Toren Berlins unter dem sowjetischen Trommelfeuer. In den Wäldern um Märkisch-Buchholz gibt es noch heute Überreste von Wehrmachts- und SS-Verbänden, die dort ihr Ende fanden. Insgesamt kostete die zwölf Tage währende Schlacht um Berlin noch einmal mehr als 150.000 Soldaten das Leben. Am 21. April erreichten im Nordosten die ersten sowjetischen Panzertruppen die Stadt.

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