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150. Geburtstag von Gandhi : Das Erbe der „Großen Seele“

Mitarbeiter der indischen Kongress-Partei feiern den 150. Geburtstag von Mahatma Gandhi. Bild: EPA

Vor anderthalb Jahrhunderten wurde Mahatma Gandhi geboren, der bis heute als Ikone des gewaltlosen Widerstands gilt. Dennoch haben im heutigen Indien viele ein zwiespältiges Verhältnis zum Gründungsvater der größten Demokratie der Welt.

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          Sein Poster dürfte auch heute noch in dem ein oder anderen Teenager-Zimmer an der Wand hängen: Mohandas Karamchand Gandhi, die Ikone der Gewaltlosigkeit. Der schmale Mann im Lendenschurz, den der große indische Poet und Schriftsteller Rabindranath Tagore einst „Mahatma“ nannte, die „Große Seele“. Vielen Menschen ist Gandhi bis heute eine Identifikationsfigur, als Revolutionär, Friedensstifter, aber auch als Asket und Vegetarier. Zuletzt wurden deshalb sogar Vergleiche zwischen Greta Thunberg und ihm gezogen. Denn seine Philosophie des Verzichts und der Genügsamkeit gilt manchen als Vorbild für einen klimafreundlichen Lebenswandel. Auch wenn der persönliche CO2-Fußabdruck zu seinen Lebzeiten natürlich noch keine Rolle gespielt hatte.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          An diesem Mittwoch, dem 150. Jahrestag seiner Geburt, erinnert auch Indien an den „halbnackten Fakir“, wie Winston Churchill ihn einst genannt hatte. Indiens Ministerpräsident Narendra Modi hatte in der vergangenen Woche schon am Rand der UN-Generalversammlung in New York über Gandhi gesprochen. Er erinnerte daran, dass sein gewaltloser Widerstand weltweit Freiheitskämpfer wie Martin Luther King und Nelson Mandela beeinflusst hatte. Am Mittwochabend wird Modi ihm zu Ehren den Sabarmati Ashram in Ahmedabad im Bundestaat Gujarat besuchen. Den Ashram in Sabarmati hatte Gandhi einst nach seiner Rückkehr aus Südafrika gegründet. Modi stammt ebenso wie Gandhi aus Gujarat.

          Gleichwohl haben im heutigen Indien viele ein zwiespältiges Verhältnis zu der Rolle des Gründungsvaters. Mit den Wahlerfolgen Modis und seiner Bharatiya Janata Party (BJP) ist der Hindu-Nationalismus zur dominanten Strömung geworden. Doch die Vertreter dieser politischen Richtung, die Indien zu einer Nation der Hindus machen wollen, sahen schon immer Gandhis Haltung den indischen Muslimen gegenüber kritisch. Nicht zuletzt war auch der Nathuram Godse, der Mann, der Gandhi im Jahr 1948 drei Mal in die Brust geschossen hatte, ein Mitglied des RSS, einer hindu-nationalistischen Vereinigung mit engen Verbindungen zur BJP. In diesen Kreisen wird der Gandhi-Mörder von manchen sogar als „Patriot“ verehrt.

          Wachstumsideologie verträgt sich nicht mit Enthaltsamkeit

          Gandhis Philosophie der Enthaltsamkeit passt zudem nicht zur Wachstumsideologie der indischen Regierung. Zudem war Gandhi jahrelang Präsident des Indischen Nationalkongresses, der Konkurrenzpartei für Modis BJP. Für Modi dient Gandhi denn auch eher als dankbares Symbol, dass er für seine Massenkampagnen nutzen kann. So hatte er sich vor fünf Jahren den 2. Oktober als Datum ausgesucht, um eine Kampagne unter dem Titel „Swach Bharat“ zu starten. Sie zielt darauf ab, bis zum Stichtag an diesem Mittwoch landesweit etwa 100 Millionen Toiletten zu bauen. Das Zeichen  der Kampagne war eine Nickelbrille nach der Art, wie sie Gandhi einst getragen hatte. Sie berief sich darauf, dass der Gründervater stets großen Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt habe.

          Geboren wurde Gandhi in dem damaligen Fürstentum Gujarat, das zur britischen Kronkolonie gehörte. Die Arbeit seines Vaters als Richter schärfte seinen Sinn für Gerechtigkeit. Nach seinem Studium wurde er als Anwalt von einer indischen Firma mit einem Fall in Südafrika betraut. In der britischen Kolonie Natal empörte er sich über die Diskriminierung der indischen Bevölkerung. Er wurde zum Anführer der dortigen Widerstandsbewegung und entwickelte seine Theorie der Nichtkooperation. Seine Erfahrungen ließ er später in den indischen Freiheitskampf einfließen. Den Höhepunkt bildete der sogenannte Salzmarsch an den Strand von Dandi in Gujarat, mit dem Gandhi  das Salzmonopol der Briten brach. Dieser in Gandhis Augen alles andere als „passive“ Widerstand führte letztlich zur Unabhängigkeit Indiens.    

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