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Gen-Lebensmittel : EU-Rat einigt sich auf Kennzeichnungspflicht

  • Aktualisiert am

Künast möchte mehr Transparenz schaffen Bild: dpa

Lebensmittel und Tierfutter, die zu mindestens 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, sollen künftig gekennzeichnet werden.

          Verbraucher sollen zukünftig beim Einkauf Gen-Lebensmittel klar von herkömmlicher Nahrung unterscheiden können. Darauf einigten sich die EU-Agrarminister am Donnerstagabend in Brüssel. Die verschärften Regeln für die Kennzeichnung von Fertigprodukten, die gentechnisch veränderte Zutaten enthalten, soll auch für Futtermittel gelten.

          Nach der grundsätzlichen politischen Einigung müssen etwa Kekse, Chips oder Margarine auf den Etiketten als Gen-Lebensmittel ausgezeichnet werden, wenn sie zu mindestens 0,9 Prozent aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bestehen.

          Parlament muss noch zustimmen

          „Unsere Aufgabe ist es, die Wahlfreiheit für alle Verbraucher herzustellen“, sagte Bundesverbraucherministerin Renate Künast zu dem Kompromiss, der gegen die Stimmen Großbritanniens, Luxemburgs und Österreichs zu Stande kam. Die Entscheidung im Ministerrat ist allerdings noch nicht endgültig. Denn im nächsten Schritt wird sich nun das Europäische Parlament in zweiter Lesung mit dem Thema befassen. Es hatte sich zuvor für einen strengeren Grenzwert von 0,5 Prozent ausgesprochen.

          Die Minister hatten seit vielen Monaten immer wieder um einen Kennzeichnungs-Grenzwert für Nahrungsmittel gerungen, die zufällig oder technisch unvermeidbar mit gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt werden. Solange der EU-Streit um die Verschärfung der Regeln für Gen-Lebensmittel und -Futter andauerte, konnten auch keine neuen GVO in der EU zugelassen werden.

          Umweltschützer sind skeptisch

          Mehrere EU-Mitgliedsländer blockieren seit Jahren die europaweite Zulassung einer Reihe gentechnisch veränderter Organismen. Der Weg sollte erst wieder frei sein, wenn Regelungen zur Etikettierung und Rückverfolgung von Lebens- und Futtermitteln in Kraft sind, die mit GVO hergestellt wurden. Mit der Rückverfolgung werden sich die EU-Umweltminister noch vor Weihnachten beschäftigen. Bis die neuen Regelungen gelten, können aber noch Jahre vergehen.

          Umweltschützer kritisierten den Kompromiss der EU-Staaten. Die Einigung, gentechnisch veränderte Nahrungs- und Futtermittel erst ab einem Schwellenwert von 0,9 Prozent zu kennzeichnen, sei ein „herber Rückschlag in der Verbraucherschutzpolitik“, kritisierte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Das Recht der Bürger auf gentech-freie Lebensmittel sei geopfert worden, bemängelte die Bundesvorsitzende Angelika Zahrnt.

          Greenpeace begrüßte hingegen die Einigung als „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Gentechnisch verunreinigte Futtermittel müssten damit erstmals gekennzeichnet werden, betonte Agrarexperte Henning Strodthoff. Negativ sei allerdings, dass der Schwellenwert deutlich über dem derzeitigen Stand der Kontamination angesetzt sei.

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