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Geld aus dem Trevibrunnen : Die Münzen den Armen

Touristen pflegen am Trevi-Brunnen die Tradition, Münzen rücklings über die Schulter ins Wasser zu werfen. Bild: dpa

Erst hieß es, das „Brunnengeld“ der Stadt Rom werde künftig für den Erhalt von Kulturstätten oder zum Stopfen von Schlaglöchern verwandt. Nun soll das Geld doch wieder an die Caritas gehen.

          Die Kehrtwende kam prompt: Die Münzen aus dem Trevi-Brunnen sowie aus anderen Brunnen Roms gehen weiter an die Caritas. Niemand habe „jemals auch nur daran gedacht, der Caritas diese Mittel vorzuenthalten“, sagte Bürgermeisterin Virginia Raggi von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung am Montagabend nach einer Krisensitzung in ihrem Amtssitz auf dem Kapitolshügel.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Alles also nur ein Missverständnis, eine Art unfreiwilliger Aprilscherz zum Jahresbeginn? Aus dem Rathaus war kurz nach Neujahr zu hören gewesen, vom 1. April an würde die Stadt Rom das „Brunnengeld“ für eigene Zwecke verwenden, für den Erhalt der vielen Kulturstätten etwa oder auch zum Stopfen der ungezählten Schlaglöcher in Roms Straßen.

          Der Aufschrei der Empörung war laut und kam von überall her. Jeder Römer weiß, was die Caritas der Hauptstadtdiözese mit ihren 300 Angestellten und mehr als 5000 Freiwilligen in den 51 Sozialeinrichtungen und den 145 Pfarreien Roms Tag für Tag leistet: für Obdachlose und Arme in Unterkünften, Suppenküchen und medizinischen Ambulatorien, für misshandelte Frauen, entlassene Gefangene und durchziehende Wanderarbeiter in ihren Aufnahme- und Beratungszentren.

          Im Jahr 2001 hatte der damalige Bürgermeister Walter Veltroni von den Sozialdemokraten beschlossen, das aus den Brunnen Roms zusammengesammelte Geld der katholischen Wohlfahrtsorganisation zu geben. Im vergangenen Jahr waren das allein aus dem Trevi-Brunnen rund 1,5 Millionen Euro, weitere etwa 200.000 Euro kamen aus anderen Brunnen der Stadt hinzu. Im Budget der Römer Caritas deckte das „Brunnengeld“ zuletzt rund 15 Prozent.

          Italienische und vor allem ausländische Touristen pflegen am Trevi-Brunnen die Tradition, Münzen rücklings über die Schulter ins Wasser zu werfen, was dem Besucher Glück bringen sowie eine weitere Reise in die Ewige Stadt garantieren soll. Die Römer Wasserwerke sorgen dafür, dass die Münzen alle paar Monate vom Brunnenboden aufgesaugt, sortiert und gezählt werden. Das kostet nach Angaben der Wasserwerke jährlich mehr als 2000 Euro. Die extra Kosten für die Brunnenreinigung der besonderen Art werden den Wasserwerken nicht von der Stadt Rom ersetzt.

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